Gelöst

Der Junge in der Kiste: Fünfundsechzig Jahre ohne Namen

2025-04-29 · Menschen ohne Namen · 5 Min. Lesezeit

Am Nachmittag des 25. Februar 1957 blieb ein College-Student, der sich durch das Gestrüpp an der Susquehanna Road im Philadelphier Stadtteil Fox Chase schlug, vor einem Pappkarton stehen, der zwischen den Dornen lag. Darin, gewickelt in eine billige karierte Decke, lag der Körper eines kleinen Jungen. Der Student war nicht einmal der Erste, der ihn sah: Ein Mann, der seine Fallen kontrollierte, hatte den Karton Tage zuvor bemerkt und war wortlos weitergegangen, und auch der Student wartete bis zum nächsten Tag, ehe er zur Polizei ging. Der Karton war auf herzzerreißende Weise gewöhnlich — eine Verpackung, in der einmal ein bei J.C. Penney verkaufter Stubenwagen gesteckt hatte. Was die Beamten darin fanden, sollte die Stadt fünfundsechzig Jahre lang verfolgen.

Das Kind war zwischen vier und sechs Jahre alt, blauäugig, unbekleidet, schwer unterernährt und von Blutergüssen gezeichnet; der Gerichtsmediziner kam zu dem Schluss, dass es an Schlägen auf den Kopf gestorben war. Und doch hatte jemand es im Tod umsorgt, oder ganz kurz davor. Sein Haar war kürzlich und grob geschnitten worden, lose Büschel klebten noch an seiner Haut — als wäre es geschnitten worden, während er im Sterben lag, oder danach. Seine Finger- und Zehennägel waren sauber gestutzt. Seine rechte Hand und seine Fußsohlen waren vom Wasser aufgequollen und runzlig. An Knöchel, Leiste und Kinn fanden sich kleine Operationsnarben — der Beweis, dass irgendwann in seinem kurzen Leben jemand mit ihm bei Ärzten gewesen war.

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