Dokumentiert

Das Essen auf dem Herd, niemand an Bord: Das Geisterschiff von Diamond Shoals

2026-07-07 · Geisterschiffe · 7 Min. Lesezeit

Im ersten grauen Licht des 31. Januar 1921 hob der Strandwächter C.P. Brady von der Küstenwachstation Cape Hatteras sein Glas in Richtung Diamond Shoals - jener ertrunkenen Sandbänke vor North Carolina, die Generationen von Seeleuten den Friedhof des Atlantiks zu nennen gelernt hatten - und sah etwas, das dort nicht hingehörte. Ein mächtiger Fünfmastschoner saß fest auf Grund, mit allen gesetzten Segeln, das Tuch straff und voll Wind, als wollte das Schiff noch immer irgendwohin. Es war die Carroll A. Deering aus Bath, Maine, ein 255 Fuß langer hölzerner Küstenschoner, kaum zwei Jahre zuvor von der G.G. Deering Company vom Stapel gelaufen und nach einem Sohn der Familie benannt, auf der Heimreise von Rio de Janeiro nach der Ablieferung einer Kohlenladung. Vier Tage lang lief die See zu hoch, als dass ein Boot sie hätte erreichen können; sie stand einfach da unter vollen Segeln, stumm, während die Brandung an ihrem Rumpf zehrte. Als die Mannschaft des Bergungsschleppers Rescue am 4. Februar endlich an Bord kletterte, war niemand mehr zu retten.

Was sie stattdessen fand, nährt seit einem Jahrhundert den Streit. In der Kombüse stand nach den Berichten der Boarder halb zubereitetes Essen - Rippchen, Erbsensuppe und Kaffee in der meistwiederholten Version. Die Schiffskatzen waren noch an Bord, lebendig und unbeeindruckt. Doch das Logbuch, die Navigationsinstrumente, der Chronometer, die Papiere, die Kisten der Mannschaft und ihre persönliche Habe, beide Rettungsboote und die schweren Anker waren fort. Die Rudereinrichtung war zerstört - das Steuerrad zertrümmert, das Kompassgehäuse eingeschlagen, das Ruder aus den Angeln gerissen und frei pendelnd. Elf Männer waren mit ihr gesegelt, unter Kapitän Willis B. Wormell, einem 66-jährigen Schiffsführer mit Jahrzehnten Kommando auf hoher See. Jeder Einzelne war verschwunden, und im Jahrhundert seither ist nichts von ihnen aufgetaucht - keine Leiche, kein Boot, kein Fetzen Ölzeug. Es war weniger ein Wrack als ein erstarrtes Bild: ein arbeitendes Schiff, angehalten zwischen einer gewöhnlichen Minute und der nächsten, und dann dem Wetter überlassen, mit noch warmem Kessel.

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