Das Essen auf dem Herd, niemand an Bord: Das Geisterschiff von Diamond Shoals
Im Morgengrauen des 31. Januar 1921 erspähte ein Ausguck der Küstenwachstation von Cape Hatteras durch die Gischt einen beunruhigenden Anblick: einen mächtigen Fünfmastschoner, festgefahren auf den Diamond Shoals, dem berüchtigten "Friedhof des Atlantiks" vor North Carolina — mit allen noch gesetzten Segeln. Es war die Carroll A. Deering aus Bath, Maine, erst zwei Jahre zuvor vom Stapel gelaufen und auf dem Heimweg von Rio de Janeiro, wo sie eine Ladung Kohle gelöscht hatte. Schwere See hielt die Retter tagelang fern; als sie das Schiff endlich entern konnten, fanden sie niemanden mehr zu retten.
Was sie stattdessen fanden, nährt seit einem Jahrhundert die Spekulation. In der Kombüse stand nach den Berichten der Boarding-Mannschaft halb zubereitetes Essen — Erbsensuppe, Rippchen und Kaffee, so die meistzitierte Version. Doch das Logbuch, die Navigationsinstrumente, wichtige Papiere, die persönlichen Habseligkeiten der Besatzung und beide Rettungsboote waren verschwunden. Die Rudereinrichtung war zerstört: das Steuerrad zertrümmert, das Kompassgehäuse eingeschlagen, das Ruder ausgehängt. Elf Männer waren mit ihr gesegelt, unter Kapitän Willis B. Wormell, einem erfahrenen Schiffsführer, der als Ersatzkapitän an Bord gekommen war. Alle elf waren spurlos fort.
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