Dokumentiert

Der Tuempel des Todes: Der Fruehling, in dem tausend Hamburger Kroeten von innen zerplatzten

2026-07-10 · Rätselhafte Kreaturen · 7 Min. Lesezeit

Es begann, so erzaehlten die Anwohner, in den fruehen Morgenstunden. Irgendwann zwischen zwei und drei Uhr nachts, wenn der Tuempel im Hamburger Stadtteil Altona schwarz und reglos dalag, war ein feuchter, dumpfer Knall zu hoeren, wie eine Faust, die in nassen Ton getrieben wird. Dann noch einer. Bei Tageslicht waren die Ufer des kleinen Gewaessers mit Koerpern uebersaet, und die Koerper waren nicht bloss tot. Sie waren von innen nach aussen gekehrt. Kroeten, die in eine Kinderhand gepasst haetten, waren auf das Dreieinhalbfache ihrer normalen Groesse angeschwollen, entlang des Bauches aufgeplatzt und hatten Leber, Lungen und Darmschlingen bis zu einem Meter weit ueber Gras und Flachwasser geworfen. In wenigen Naechten des Fruehjahrs 2005 starben auf diese Weise mehr als tausend Kroeten. Die Anwohner gaben dem Ort einen Namen, der keiner Uebersetzung bedurfte: der Tuempel des Todes.

Der Tuempel lag in einem Stadtteil namens Altona, einer gruenen Ecke einer voellig gewoehnlichen deutschen Stadt, der Art von Ort, an dem Menschen mit Hunden spazieren gehen und Kinder Enten fuettern. Es war Laichzeit, in der sich die Erdkroeten zu Hunderten am Wasser zur Paarung versammeln, sodass die Dichte der Tiere hoch war und das Schauspiel, als es kam, entsprechend grotesk ausfiel. Zeitungen in aller Welt griffen die Geschichte binnen Tagen auf. Fotografen kamen. Amphibienfachleute kamen. Und zunaechst konnte niemand sagen, was sie toetete. Die Tiere wirkten nicht im gewoehnlichen Sinne vergiftet. Sie schienen nicht an einer Seuche zu sterben, die einen ganzen Kadaver hinterlaesst. Sie blaehten sich, so beharrten die Zeugen, selbst auf und fielen dann auseinander, manchmal noch lebend, als fande ein Druck in ihrem Inneren keinen Ausweg mehr.

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