Der Kraken war echt: Wie der Riesenkalmar die Legende verließ und in die Rekordbücher kam
Fast die gesamte schriftliche Geschichte hindurch existierte das größte wirbellose Tier des Ozeans nur als Erzählung. Aristoteles schrieb von einem großen Teuthos vor der griechischen Küste, und Plinius der Ältere beschrieb ein Ungeheuer, das die Fischteiche des römischen Spanien plünderte. Doch erst im kalten Norden nahm das Wesen seine dauerhafte Gestalt an. Jahrhundertelang stand der Kraken im selben Regal wie die Meerjungfrau und die Seeschlange: ein Berg aus Armen und Saugnäpfen, der aus der Tiefe stieg, um ein Schiff hinabzuziehen oder es im Wirbel seines eigenen Abtauchens zu versenken.
1755 beschrieb der norwegische Bischof Erik Pontoppidan das Geschöpf in seiner Naturgeschichte Norwegens als das größte und überraschendste der gesamten Schöpfung, rund und voller Arme, so gewaltig, dass Fischer seinen Rücken für eine Insel hielten. Er verfolgte die Erzählung bis zu älteren isländischen Berichten über den Hafgufa zurück, das Seenebel-Ungeheuer. Carl von Linné, der große Ordner des Lebens, hatte den Kraken in einer frühen Ausgabe seines Systema Naturae kurzzeitig unter den Kopffüßern geführt, ehe er ihn still wieder tilgte. Alfred Tennyson machte 1830 ein Gedicht daraus: ein Wesen, das seinen alten, traumlosen Schlaf auf dem Meeresboden schläft, bis die Welt endet.
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