Dokumentiert

Jerome von Sandy Cove: der Mann, der fünfzig Jahre lang nicht sprechen wollte

2025-05-07 · Menschen ohne Namen · 2 Min. Lesezeit

Am Morgen des 8. September 1863 ging ein achtjähriger Junge namens George Colin Albright am Strand von Sandy Cove entlang, einem kleinen Dorf auf der Landzunge Digby Neck in Neuschottland, als er eine Gestalt an einem Felsen lehnen sah. Es war ein junger, dunkelhaariger Mann, dem Anschein nach in den Zwanzigern, durchgefroren und kaum ansprechbar. Beide Beine waren oberhalb des Knies amputiert. Die Stümpfe waren verbunden und erst teilweise verheilt, und die Arbeit wirkte fachkundig, der Schnitt eines ausgebildeten Chirurgen, kein Unfall. Berichte aus jener Zeit fügen hinzu, dass Brot und ein Gefäß mit Wasser in seiner Reichweite lagen, als hätte derjenige, der ihn an Land setzte, nicht seinen Tod gewollt, sondern nur sein Verschwinden.

Er konnte oder wollte sich nicht erklären. Als man ihn nach seinem Namen drängte, murmelte er etwas, das die Dorfbewohner als "Jerome" verstanden, und der Name blieb. Bei anderen Gelegenheiten soll er Wörter gemurmelt haben, die wie "Colombo" klangen, vielleicht ein Schiff, und wie "Triest", vielleicht ein Heimathafen, doch nichts ließ sich bestätigen. Versuche, ihn auf Französisch, Latein, Italienisch und Spanisch zu erreichen, scheiterten alle. Für den Rest seines Lebens, fast ein halbes Jahrhundert, sprach er so gut wie gar nicht und begegnete aufdringlichen Besuchern mit sichtbarem Zorn, manchmal knurrte er, um sie zu vertreiben.

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