Die Marfa-Lichter: Scheinwerfer, Luftspiegelungen und ein Rätsel, das die Wüste nicht ganz hergibt
An einem Abend im Jahr 1883 trieb ein sechzehnjähriger Rinderhirte namens Robert Reed Ellison Vieh durch den Paisano Pass im hohen, trockenen Land des äußersten Westtexas, als er in der Dämmerung ein Aufflackern von Licht bemerkte. Er hielt es für die Lagerfeuer von Apachen und sagte es. Reiter zogen aus, um nachzusehen. Sie fanden keine Asche, keine Glut, keinen Steinkreis, keine Spur eines Lagers. In der nächsten Nacht kam das Licht wieder, und in der Nacht darauf ebenfalls. Bis 1885 berichteten weitere Siedler des Beckens, unter ihnen die Familie Humphreys, von etwas sehr Ähnlichem. Ellisons Beobachtung ist die älteste, die mit dem später als Marfa-Lichter bezeichneten Phänomen verbunden wird, und sie trägt einen wichtigen Vorbehalt: Er selbst hat sie nie aufgeschrieben. Sein Bericht gelangte erst Jahrzehnte später aufs Papier, getragen von der Erinnerung seiner Familie.
Für die siebzig Jahre nach Ellison ist die Überlieferung vollständig mündlich: Rancher, Soldaten und Geschichten, die am Familientisch erzählt wurden. Im Zweiten Weltkrieg sollen Piloten, die auf dem nahen Militärflugplatz Marfa ausgebildet wurden, die Lichter aus der Luft gesucht und nichts gefunden haben. Der erste bekannte gedruckte Bericht über die Lichter erschien erst im Juli 1957 in der Zeitschrift Coronet. 1976 sammelte der Volkskundler Elton Miles Erinnerungen aus dem neunzehnten Jahrhundert und die Fotografie eines Ranchers in seinem Buch Tales of the Big Bend. Beides war rückwärts greifende Erinnerung, nicht zeitgenössische Aufzeichnung. Ein datiertes Dokument des neunzehnten Jahrhunderts, das die Lichter beschreibt, ist nicht bekannt.
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