Nan Madol: Die Steinstadt, die jemand auf ein Riff gebaut hat
Vor der Südostküste von Pohnpei, einer Insel der Föderierten Staaten von Mikronesien, liegt in einer flachen Lagune ein Bauwerk, das im gesamten Pazifik ohne Gegenstück ist. Zweiundneunzig künstliche Inselchen, verteilt über ein Kernareal von etwa 1,5 mal 0,5 Kilometern Riffplatte, sind in ein Raster von Gezeitenkanälen eingebettet, die sich zweimal täglich füllen und leeren. Die Stützmauern bestehen aus Säulenbasalt: langen, natürlich facettierten Prismen vulkanischen Gesteins, in wechselnden Lagen gestapelt wie die Stämme einer Blockhütte, während die Hohlräume mit Korallenschutt aufgefüllt wurden, um trockenen Boden zu schaffen. Der Name Nan Madol verweist auf die Zwischenräume, also auf die Wasserwege, die ein Inselchen vom nächsten trennen. Der weitere archäologische Bezirk umfasst mehr als 18 Quadratkilometer.
Was Besucher innehalten lässt, ist der Maßstab. Der eindrucksvollste Bau ist Nandauwas, das königliche Grabinselchen, wo Mauern von 5,5 bis 7,5 Metern Höhe eine zentrale Grabkammer umschließen. Einzelne Basaltsäulen wiegen jeweils mehrere Tonnen, die größten werden mit rund 50 Tonnen angegeben. Schätzungen zur Gesamtmasse an Stein und Koralle, die auf das Riff gebracht wurde, gehen in die Hunderttausende Tonnen. Im archäologischen Befund Pohnpeis gibt es kein Rad, keine Zugtiere, keine Metallwerkzeuge und keine Flaschenzüge. Alles in Nan Madol wurde mit Menschenkraft, Wasser und Seil bewegt.
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