Dokumentiert

Der Morgen, an dem der Himmel uber Nurnberg in den Krieg zog

2026-07-09 · Unidentifizierte Objekte (UAP) · 8 Min. Lesezeit

Es war noch nicht funf Uhr morgens, als der Himmel uber Nurnberg zu brennen begann. Manner und Frauen, die in die kalte Aprilluft hinaustraten, blieben stehen, wo sie standen. Uber den Turmen einer der reichsten und gebildetsten Stadte des Heiligen Romischen Reiches war die Morgendammerung uberfallen worden. Wo die aufgehende Sonne allein hatte emporsteigen sollen, waren nun Globen und Stangen und Kreuze, manche blutrot, manche blauschwarz, manche von der Farbe des Eisens, und sie bewegten sich. Fur die Menschen, die von den Strassen aus zusahen, sah das nicht nach Wetter aus. Es sah nach einer Schlacht aus.

Der Bericht ist erhalten wegen eines Mannes und eines Blattes Papier. Hans Glaser war Briefmaler in Nurnberg, und binnen weniger Tage nach dem Ereignis brachte er ein Flugblatt heraus: eine einzige grosse Seite, die einen handkolorierten Holzschnitt mit einem dichten Block deutschen Textes verband. Dieses Blatt, etwa 26 mal 38 Zentimeter gross, wird heute in der Grafiksammlung der Zentralbibliothek Zurich aufbewahrt. Es ist der Grund, warum wir uberhaupt etwas daruber wissen, was die Stadt gesehen haben wollte. Ohne Glasers Presse ware der Morgen des 14. April 1561 verschwunden wie jeder andere vergessene Tagesanbruch.

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