Dokumentiert

Peter Bergmann: der Mann, der sich selbst auslöschte, bevor er starb

2025-04-21 · Menschen ohne Namen · 2 Min. Lesezeit

Am Nachmittag des 12. Juni 2009 stieg ein Mann Ende fünfzig oder in den Sechzigern am Busbahnhof von Sligo, einer Stadt an Irlands Nordwestküste, aus einem Bus aus Derry. Er nahm ein Taxi zum Sligo City Hotel und checkte unter dem Namen Peter Bergmann ein, mit einer Wiener Adresse: Ainstettersn 15, 4472. Die Ermittler stellten später fest, dass es eine solche Straße in Österreich nicht gibt und die Postleitzahl nicht vergeben ist; Wiener Postleitzahlen beginnen mit einer 1. Drei Nächte bezahlte er bar.

Was die Überwachungskameras der Stadt in den folgenden Tagen aufzeichneten, beunruhigt bis heute jeden, der es gesehen hat. Wieder und wieder verließ der Mann das Hotel mit einer lila Plastiktüte, die voll wirkte, und kehrte mit leerer Tüte zurück. Mehr als ein Dutzend Mal wurde er dabei gefilmt, jeden Tag auf anderen Wegen. Die Ermittler durchsuchten später die Abfalleimer entlang seiner Routen und fanden nicht einen einzigen weggeworfenen Gegenstand. Die lila Tüte selbst wurde nie gefunden. Am Morgen des 13. Juni ging er zum Postamt von Sligo und kaufte acht Briefmarken zu 82 Cent sowie Luftpost-Aufkleber. Nirgendwo tauchte je ein Brief auf, der mit ihm in Verbindung stand.

Am 14. Juni bat er einen Taxifahrer, ihm einen ruhigen Strand zu empfehlen, an dem man schwimmen könne. Der Fahrer schlug Rosses Point vor, einen malerischen Strand vor der Stadt, und fuhr ihn hin. Bergmann blickte kurz aufs Wasser und kehrte ins Hotel zurück. Am nächsten Tag, dem 15. Juni, checkte er aus, ging zum Busbahnhof und fuhr mit dem Nachmittagsbus nach Rosses Point. Zeugen jenes Abends erinnerten sich an einen zuvorkommenden Mann mit deutschem oder österreichischem Akzent, der am Strand entlangging. Rund ein Dutzend Menschen sahen ihn; mehrere bemerkten ihn bei Einbruch der Dunkelheit nahe am Wasser.

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Am frühen Morgen des 16. Juni fanden ein Vater und sein Sohn seine Leiche im Sand. Weder eine Kamera noch ein Zeuge hatte ihn je ins Meer gehen sehen. Die Etiketten waren aus seiner Kleidung herausgeschnitten. Er trug weder Brieftasche noch Papiere bei sich — nichts, was ihn hätte identifizieren können.

Die Obduktion vertiefte das Rätsel, statt es zu lösen. Der Mann lag im Sterben: Er hatte fortgeschrittenen Prostatakrebs, der in die Knochen gestreut hatte, er hatte frühere Herzinfarkte erlitten, und eine Niere war ihm entfernt worden. Der Pathologe fand keine Anzeichen für typisches Ertrinken in Salzwasser und keine Hinweise auf ein Verbrechen; als Todesursache wurde akuter Herzstillstand vermerkt. Berichten zufolge ließ er den Krebs nicht behandeln.

Die Ermittlungen der Garda liefen monatelang und bezogen Interpol ein. Seine Fingerabdrücke und seine DNA passten zu keiner Datenbank in Europa. Keine Vermisstenanzeige passte je zu ihm. Auch ein neuer Aufruf im Jahr 2023, mit neuen Bildern und DNA-Analysen, brachte keinen Namen. Warum er Sligo wählte, was die lila Tüte füllte und wer auf Briefe wartete, die vielleicht nie abgeschickt wurden — all das bleibt unbekannt. Die naheliegendste Deutung, unbewiesen wie alles in diesem Fall: Ein todkranker Mann beschloss, namenlos zu sterben, und führte diesen Plan nahezu perfekt aus. Nahezu — denn seit sechzehn Jahren versucht die Welt, ihm seinen Namen zurückzugeben.


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