Gelöst

Der Bloop: das lauteste Rätsel des Ozeans und das Eis, das es löste

2026-05-30 · Signale & Geräusche · 9 Min. Lesezeit

Es erschien auf den Bildschirmen als Gestalt, ehe es je ein Klang war. Im Sommer 1997 verfolgten Analysten des Pacific Marine Environmental Laboratory (PMEL) der US-Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA in Newport, Oregon, den langsamen Lauf der Spektrogramme, der visuellen Fingerabdrücke des Lärms im tiefen Ozean, als ein Signal über die Anzeige aufblühte, wie es in ihren Katalogen nichts gab. Es war ein Grollen von ultratiefer Frequenz, dessen Tonhöhe über etwa eine Minute anstieg, und es war beinahe unmöglich laut. Hydrofone, mehr als 5.000 Kilometer voneinander entfernt, einen ganzen Ozean auseinander, hatten dasselbe im selben Augenblick gehört. Als die Techniker die Aufnahme sechzehnfach beschleunigten, um sie in den Bereich des menschlichen Gehörs zu heben, wurde daraus ein seltsames, nasses, aufsteigendes Blubbern. Jemand nannte es den Bloop, und der Name blieb an ihm haften wie eine Klette.

Um zu verstehen, warum der Bloop ernsthafte Wissenschaftler beunruhigte, muss man die Ohren verstehen, die ihn auffingen. Im Kalten Krieg hatte die US-Marine ein geheimes Netz von Hydrofonen über den Meeresboden gelegt, SOSUS genannt, das Sound Surveillance System, gebaut, um die Schrauben sowjetischer U-Boote über ganze Ozeanbecken hinweg zu verfolgen. Als der Kalte Krieg tauwetterte, erhielt die NOAA Zugang zu diesem Erbe und fügte eigene autonome Hydrofone hinzu, darunter das Äquatorialpazifik-Netz, um stattdessen auf untermeerische Erdbeben, das Ächzen von Unterseevulkanen und die langen Gesänge der Wale zu lauschen. Die Menschen, die diese Bildschirme lasen, waren die weltweiten Fachleute für die Stimme des Ozeans. Sie wussten, wie ein Seebeben aussah, wie ein Schiff klang, was ein Blauwal auf einem Spektrogramm zeichnete. Der Bloop passte zu keinem davon.

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