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Nach 400 Jahren auf Video gebannt: Das ungelöste Rätsel des Kugelblitzes

2026-04-05 · Unerklärliche Natur · 2 Min. Lesezeit

Seit mehr als vier Jahrhunderten beschreiben Menschen, die in Gewitter geraten, dasselbe unmögliche Ding: eine leuchtende Kugel, oft so groß wie eine Grapefruit, die lautlos durch die Luft schwebt. Sie verharrt, wandert umher, zischt manchmal — und verschwindet dann spurlos oder zerplatzt mit einem Knall. Unter den Zeugen: Bauern, Seeleute, Physiker und Linienpiloten. Das Phänomen hat einen Namen, Kugelblitz, doch über weite Strecken der Wissenschaftsgeschichte gab es keinerlei Beweis dafür.

Einer der frühesten ausführlichen Berichte stammt aus Widecombe-in-the-Moor in England. Am 21. Oktober 1638 berichteten Zeugen während eines heftigen Unwetters von einer gewaltigen Feuerkugel, die durch die Dorfkirche fegte, Bänke zertrümmerte und Fenster zerschlug. Vier Menschen starben, rund sechzig wurden verletzt. Die Dorfbewohner machten den Teufel verantwortlich; heutige Forscher lesen den alten Bericht als klassische Beschreibung eines Kugelblitzes.

Die Wissenschaft weigerte sich lange, den Berichten zu folgen. Man tat sie als Nachbilder ab, die gewöhnliche Blitze auf die Netzhaut gebrannt hätten, oder als reine Einbildung. Doch die Schilderungen rissen nicht ab — Tausende kamen zusammen —, und viele enthielten ein Detail, das keine bekannte Physik verdauen konnte: Zeugen beharrten darauf, dass die leuchtenden Kugeln durch geschlossene Fenster drangen, gelegentlich sogar durch Wände, und danach seelenruhig weiterzogen.

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Dann, im Juli 2012, half der Zufall. Ein chinesisches Team der Northwest Normal University zeichnete auf dem tibetischen Hochplateau gewöhnliche Blitzeinschläge mit Kameras und Spektrografen auf, als in etwa 900 Metern Entfernung eine leuchtende Kugel erschien. Die Instrumente erfassten 1,64 Sekunden davon — das erste jemals aufgezeichnete Spektrum eines natürlichen Kugelblitzes. Die 2014 in Physical Review Letters veröffentlichten Ergebnisse zeigten Emissionslinien von Silizium, Eisen und Kalzium: der chemische Fingerabdruck von Erdboden, nicht von Luft.

Dieser Fingerabdruck passt zu einer Theorie, die der Chemiker John Abrahamson im Jahr 2000 vorschlug: Ein Blitzeinschlag verdampft das Siliziumdioxid im Boden und setzt eine Wolke von Silizium-Nanopartikeln frei, die langsam oxidieren und beim Verbrennen glühen. Die Labore liefern vorsichtige Unterstützung. 2007 verdampften Forscher in Brasilien Siliziumscheiben mit Lichtbögen und erzeugten kleine leuchtende Kugeln, die bis zu acht Sekunden über den Boden rollten und hüpften. Andere Teams haben mit Mikrowellen kugelähnliche Plasmoide erschaffen.

Und doch erklärt keine einzelne Theorie alles. Verdampfter Boden kann kaum die Kugeln erklären, die aus geschlossenen Flugzeugkabinen gemeldet wurden, oder jene, die angeblich durch Fensterglas glitten. Irrten sich diese Zeugen — oder verbirgt sich unter demselben Namen mehr als ein Phänomen? Heute hat der Kugelblitz einen seltsamen wissenschaftlichen Status: real genug, um einmal vermessen worden zu sein, und flüchtig genug, dass niemand sagen kann, was er wirklich ist. Bis ihn jemand erneut in freier Natur einfängt — oder ihn überzeugend im Labor erschafft —, bleibt das älteste Rätsel des Gewitters ungelöst.


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