Die Batterie von Bagdad: ein Gefäß, das vielleicht Funken schlug, oder nur Schriftrollen barg
Bagdad, 1938. Im Labor des Irak-Museums drehte ein deutscher Forscher namens Wilhelm König einen kleinen, unscheinbaren Tonkrug in den Händen: dreizehn Zentimeter helle Keramik, ausgegraben in Chudschut Rabu, einem Dorf bei Bagdad. Darin steckte ein Kupferzylinder und in diesem ein stark korrodierter Eisenstab; einst hielten Bitumenpfropfen das Ganze an seinem Platz. Museumsdepots sind voller seltsamer Gefäße. Dieses, so entschied König, war nicht bloß seltsam — es war unmöglich. In einem noch im selben Jahr veröffentlichten Aufsatz schlug er vor, das Objekt sei eine galvanische Zelle: eine funktionierende elektrische Batterie, gebaut rund zweitausend Jahre bevor Alessandro Volta im Jahr 1800 seine berühmte Säule aufschichtete.
Es lohnt sich, kurz innezuhalten und zu ermessen, wie radikal diese Behauptung ist. Eine Batterie braucht nur zwei verschiedene Metalle und eine säurehaltige Flüssigkeit dazwischen, und die Metalle liefert der Krug unbestreitbar. König datierte ihn in die parthische Zeit, irgendwo zwischen dem dritten Jahrhundert vor und dem dritten Jahrhundert nach Christus; spätere Gelehrte tendierten nach dem Stil der Keramik zur anschließenden Sassanidenzeit. So oder so: Hätte er recht, dann hätte jemand in Mesopotamien Elektrizität in ein Gefäß gesperrt, weit über ein Jahrtausend bevor Europa überhaupt ein Wort dafür besaß.
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