Hinaus in den Atlantik: Der Künstler, der in sein eigenes Werk hineinsegelte
Am 9. Juli 1975 legte ein dreiunddreißigjähriger niederländischer Künstler in Chatham auf Cape Cod ab, in einem Boot von drei Meter achtzig Länge. Es war ein umgebauter Kleinkreuzer vom Typ Guppy 13, ein Kunststoffboot der Art, die sonst auf einem Trailer steht und auf Seen gesegelt wird. Er hatte es Ocean Wave getauft. Sein Ziel war Falmouth in England, rund dreitausend Meilen über den Nordatlantik, und er rechnete mit einer Überfahrt von zwei bis drei Monaten. Es war kein Stunt für einen Sponsor. Die Reise war der Mittelteil eines Kunstwerks mit dem Titel In Search of the Miraculous.
Er hieß Bastiaan Johan Christiaan Ader, genannt Bas Jan Ader. Der Funkkontakt brach etwa drei Wochen nach dem Auslaufen ab. Er erreichte England nie, und von ihm wurde nie eine Spur gefunden.
Geboren wurde er am 19. April 1942 in Winschoten im Norden der Niederlande. Beide Eltern waren calvinistische Pfarrer. Sein Vater, Bastiaan Jan Ader, versteckte während der deutschen Besatzung jüdische Flüchtlinge; er wurde verhaftet und 1944 zusammen mit einer Gruppe anderer Gefangener erschossen. Bas Jan war zwei Jahre alt. Er und sein jüngerer Bruder Erik wuchsen bei ihrer Mutter auf, Johanna Adriana Ader-Appels, Schriftstellerin und Pfarrerin, die über diesen Verlust schrieb.
Das Meer kam früh und zufällig in sein Leben. Als junger Mann schlug er sich nach Marokko durch und heuerte als Decksmann auf einer Yacht an, die nach Kalifornien segelte. Die Reise dauerte etwa elf Monate und endete, in einer jener Ironien, die seine Biografie immer wieder hervorbringt, in einem Schiffbruch nahe der amerikanischen Küste. 1963 kam er in Südkalifornien an und blieb. Er studierte am Otis Art Institute in Los Angeles und machte 1967 seinen Master an der Claremont Graduate School. Er heiratete die Künstlerin Mary Sue Andersen. Er unterrichtete an der University of California in Irvine. Die letzten zwölf Jahre seines Lebens verbrachte er in Los Angeles, auf der anderen Seite des Ozeans, dem das Land seines Vaters zugewandt ist.
Das Werk, das dort entstand, ist gering an Umfang und unverwechselbar im Charakter. Ader benutzte sich selbst als einzigen Darsteller und die Schwerkraft als einzigen Spezialeffekt. In Fall I, Los Angeles (1970) sitzt er auf einem Stuhl auf dem Schrägdach seines eigenen Hauses und rollt ins Gebüsch. In Fall II, Amsterdam (1970) radelt er an einer Gracht entlang und fährt geradewegs ins Wasser. In Broken fall (organic) (1971) hängt er an einem Ast über einem Bach im Amsterdamer Wald, bis die Arme nachgeben. In I'm too sad to tell you (1970 bis 1971) filmt er rund drei Minuten lang sein eigenes Gesicht, schwarzweiß, weinend, und gibt keinerlei Erklärung. Die Arbeiten sind meist kurz, stumm und mit der ausdruckslosen Präzision eines Mannes gerahmt, der sehr genau darüber nachgedacht hatte, wie lange ein Betrachter einem Scheitern zusehen kann.
In Search of the Miraculous war als dreiteiliges Werk angelegt und wuchs unmittelbar aus dieser Logik. Der erste Teil, 1973 entstanden und In Search of the Miraculous (One Night in Los Angeles) betitelt, ist eine Folge von Schwarzweißfotografien, auf denen Ader nachts allein durch die Stadt geht, von den Hügeln hinunter zum Pazifik, den Strahl einer Taschenlampe vor sich. Über die Bilder schrieb er handschriftlich in Weiß Zeilen aus einem Lied der Coasters. Die Folge endet am Wasser. Im Frühjahr 1975 wurde die Arbeit in der Galerie von Claire Copley in Los Angeles gezeigt, und zur Eröffnung sang ein Studentenchor Seemannslieder, darunter jenes, dem er den Namen seines Bootes entnahm.
Der zweite Teil war die Überfahrt selbst. Der dritte sollte eine Ausstellung in den Niederlanden werden, im Groninger Museum, mit Fotografien von der Reise und erneut den Shanties, den Kreis schließend auf europäischem Boden. Nach Aussage derer, die den Plan kannten, wollte er in dem kleinsten Boot übersetzen, mit dem je jemand die Einhandfahrt von West nach Ost versucht hatte.
Die Vorbereitung war real, nicht symbolisch. Ocean Wave wurde für den Ozean umgebaut, und Ader nahm mit, was ein Einhandsegler jener Zeit mitnahm: Seekarten, ein Funkgerät, Proviant, eine Lifeline. Er war ein erfahrener Segler kleiner Boote, kein romantischer Amateur.
Er verließ Chatham am 9. Juli 1975. Etwa drei Wochen lang gab es Funkkontakt. Dann hörte er auf. Wochen vergingen, dann das erwartete Ankunftsfenster, dann Monate. Seine Frau und sein Bruder drängten auf Suchaktionen und auf Auskünfte aus der Schifffahrt. Nichts kam zurück. Im Herbst galt er als auf See verschollen.
Neun Monate nach seiner Abfahrt, am 18. April 1976, sichtete die Besatzung eines spanischen Trawlers, der Eduardo Pondal, ein winziges Boot vor den südwestlichen Zugängen zu Irland. Die Angaben zur Position schwanken zwischen etwa einhundert und zweihundert Seemeilen vor der Küste, westlich von Land's End und südwestlich der irischen Küste. Es war die Ocean Wave. Sie schwamm fast senkrecht, Bug nach unten, von ihrem Auftrieb gehalten, und sie war leer. Aus dem Seepockenbewuchs am Rumpf schloss der Kapitän, dass sie etwa ein halbes Jahr getrieben war.
Das Boot wurde nach A Coruna im Nordwesten Spaniens gebracht, wo die spanischen Behörden es untersuchten. An Bord fanden sich persönliche Gegenstände, darunter Aders Ausweis der University of California. Seine Witwe und sein Bruder begannen, die Reise zur Besichtigung zu organisieren.
Dazu kam es nie. Irgendwann zwischen dem 18. Mai und dem 7. Juni 1976 wurde die Ocean Wave aus dem Hafen von A Coruna gestohlen, höchstwahrscheinlich ihres Materialwerts wegen und von jemandem, der keine Ahnung hatte, was sie war. Sie ist nie wieder aufgetaucht. Mit ihr verschwand der einzige physische Beweis des Falls: die Decksbeschläge, die Lifeline, der Zustand des Riggs, alles, was hätte zeigen können, wie ein Mensch mitten im Ozean ein Boot verlässt.
Bas Jan Aders Leiche wurde nie gefunden. Er war dreiunddreißig. Die Groninger Ausstellung, der dritte Teil des Werks, wurde nie in der geplanten Form realisiert. Sein Gesamtwerk umfasst eine Handvoll Filme, einige Fotografien und wenige Installationen, und es ist seither in Retrospektiven quer durch Europa und die Vereinigten Staaten gezeigt worden, was ihn zu einem der einflussreichsten Künstler seiner Generation mit einem der kleinsten Werke macht.
Schlussfolgerungen und offene Fragen
Es gibt im Kern zwei Lesarten, und der Fall hat nie genug Beweise hervorgebracht, um den Abstand zwischen ihnen zu schließen.
Die erste ist ein Segelunfall. Aders Bruder Erik, selbst ein erfahrener Hochseesegler, hat argumentiert, Ader sei bei schwerem Wetter über Bord gegangen und der feste Punkt an Deck, an dem seine Lifeline befestigt war, sei unter der Last herausgerissen. Das würde ein leeres Boot erklären, das noch schwamm und aufrecht genug war, um neun Monate später gesichtet zu werden, und es passt zum herbstlichen Nordatlantik besser als jede andere Erklärung. Ihre Schwäche ist, dass sie nicht überprüfbar ist. Das Boot wurde gestohlen, bevor jemand, der Ader kannte, die Beschläge in Augenschein nehmen konnte, und ohne das Deck lässt sich der ausgerissene Anschlagpunkt weder bestätigen noch widerlegen.
Die zweite Lesart, die sich im Kunstbetrieb rasch durchsetzte, besagt, die Fahrt sei ein geplantes Verschwinden gewesen: ein Werk, dessen Gegenstand der eigene Tod des Künstlers war, inszeniert statt erlitten. Sie stützt sich auf sein eigenes Material. Seine Kunst bestand aus Stürzen, aus Scheitern, aus dem Moment vor dem Aufprall; er hatte sich weinend gefilmt, ohne eine Erklärung zu geben; und sein Vater war einen Heldentod gestorben, der die Familie eine Generation lang prägte. Die Schwäche dieser Lesart ist, dass es dafür nicht den geringsten Beweis gibt. Ader hatte den dritten Teil der Trilogie bereits vereinbart. Er hatte ein Leben, eine Ehe und eine Lehrstelle, zu denen er zurückkehren wollte. Er rüstete das Boot aus, wie ein Segler ein Boot ausrüstet. Seine Witwe Mary Sue Andersen sagte deutlich, seine Studenten hätten sich Szenarien ausgedacht, weil sie mit der schlichten Tatsache des Verlusts nicht leben konnten. Eine These lautet, er habe eine symbolische Überfahrt beabsichtigt und das Risiko in Kauf genommen, sie nicht zu überleben; auch das ist eine Deutung des Charakters, kein Befund.
Eine dritte, lockerere Idee, die gelegentlich auftaucht, ist, dass er einfach fortging und unter anderem Namen weiterlebte. Nichts spricht dafür. Keine Sichtung, kein Dokument, keine Spur in fünfzig Jahren, und ein leeres, im offenen Atlantik treibendes Boot ist eine schlechte Art, einen Abgang vorzutäuschen.
Ungeklärt bleibt die Mitte der Geschichte. Niemand weiß, was zwischen dem letzten Funkkontakt, etwa drei Wochen nach dem Auslaufen, und dem Moment geschah, in dem die Ocean Wave allein zu treiben begann. Es gibt kein Logbuch, keine Unglücksstelle, keine Position, keinen Notruf. Die Schätzung von einem halben Jahr Drift anhand des Bewuchses, mit bloßem Auge auf einem arbeitenden Trawler vorgenommen, würde den Verlust irgendwo in den Herbst 1975 legen, aber sie bleibt eine Schätzung.
Die offenen Fragen sind vor allem Fragen nach Beweisen, die es nicht mehr gibt. Wohin verschwand die Ocean Wave, nachdem sie aus A Coruna entwendet wurde, und könnte ein knapp vier Meter langer Rumpf noch in einem galicischen Hof oder einer Werkstatt stehen? Wurden die spanischen Untersuchungsprotokolle und Fotos von 1976 archiviert, und hat sie je jemand mit dem Blick eines Seglers gelesen? Was genau sagten die letzten Funksprüche, und an wen? Und die Frage, die Kunstwelt und Familie seit fünfzig Jahren verschieden beantworten: ob ein Werk, das von seinem Urheber verlangt, allein in einem so kleinen Boot einen Ozean zu queren, als Geste der Hoffnung, als ernsthafte Risikoabwägung oder als etwas ganz anderes zu lesen ist. Ader hinterließ den Titel, und der ist nicht harmlos. Er nannte es In Search of the Miraculous, und er kam nicht zurück, um zu erklären, was er damit meinte.