Die Postkarte mit der aufgehenden Sonne: der Camden-Town-Mord, London 1907
Am Abend des 12. September 1907, einem Donnerstag, stieg ein Eisenbahner die Treppe eines Mietshauses hinauf, St Paul's Road 29, im Viertel Camden Town im Norden Londons.
Er wohnte dort mit der Frau, die er seine Ehefrau nannte. Sie hieß Emily Dimmock. Alle in ihrer Umgebung nannten sie Phyllis.
Sie war Anfang 20. An diesem Tag war sie nicht zum Bahnhof gekommen, um seine Mutter abzuholen, wie die beiden Frauen es verabredet hatten.
Die Tür zu ihren Zimmern war abgeschlossen. Er besorgte sich einen Schlüssel und ging hinein.
Das vordere Zimmer sah aus, als hätte jemand darin gesucht. Schubladen waren herausgezogen. Auch die Tür zum Schlafzimmer war abgeschlossen, und er brach sie auf.
Emily Dimmock lag nackt auf dem Bett. Ihre Kehle war von einem Ohr zum anderen durchschnitten, so tief, dass der Schnitt fast die Wirbelsäule erreichte. Die Laken waren voller Blut.
Es gab keine Spur eines Kampfes. Sie war im Schlaf getötet worden.
Worum es in diesem Fall geht
Das ist der Camden-Town-Mord, eines der berühmtesten Verbrechen im London des frühen 20. Jahrhunderts.
Eine junge Frau wurde in ihrem eigenen Bett getötet, irgendwann vor der Morgendämmerung. Die Polizei fand einen Mann, der über seine Bekanntschaft mit ihr gelogen hatte. Er wurde wegen Mordes angeklagt und freigesprochen.
Niemand sonst wurde je angeklagt. Mehr als 115 Jahre später weiß niemand, wer Emily Dimmock die Kehle durchschnitten hat.
Wer sie war
Emily Dimmock stammte aus einer Arbeiterfamilie. Als Jugendliche arbeitete sie als Dienstmädchen in fremden Häusern.
Später verdiente sie ihr Geld als Prostituierte. Sie lernte Männer in den Pubs von Camden Town kennen und nahm sie manchmal mit nach Hause.
1907 lebte sie mit einem Koch zusammen, der bei der Eisenbahn arbeitete. Die meisten Quellen sagen, er kochte in den Speisewagen der Midland Railway. Eine Quelle nennt ihn Heizer. Wegen seiner Arbeit verbrachte er viele Nächte in den Zügen.
Sie waren nicht verheiratet, lebten aber wie Mann und Frau. Im Sommer 1907 mieteten sie 2 Zimmer in einem Haus in der St Paul's Road. Die Vermieterin wohnte im selben Haus. Heute heißt die Straße Agar Grove.
Nach den ausführlichen Darstellungen des Falls wusste ihr Partner nicht, dass sie weiter Männer in die Zimmer brachte, wenn er fort war.
Die letzte Woche
Ende August und Anfang September 1907 lernte Emily in einem Pub namens Rising Sun, also "Aufgehende Sonne", einen Schiffskoch kennen. Er hatte Landurlaub. Er verbrachte mehrere Nächte mit ihr in den Zimmern in der St Paul's Road.
Dieser Mann wurde später ein wichtiger Zeuge. Die Polizei überprüfte ihn gründlich. Er hatte ein Alibi für die Mordnacht und wurde entlastet.
Er erzählte der Polizei von 2 Stücken Papier.
Das erste war ein Brief. Er kam am Morgen des 11. September, eines Mittwochs, ihres letzten Lebenstages. Er sah ihn. Nach seiner Erinnerung stand darin: "Triffst du mich im Eagle, Camden Town, heute Abend um 8:30, Mittwoch?" Der Brief war mit "Bert" unterschrieben. Der Eagle, der "Adler", war ein anderer Pub in der Nähe.
Emily las den Brief und verbrannte ihn im Kamin.
Das zweite war eine Postkarte, in derselben Handschrift. Sie zeigte sie ihm. Darauf stand: "Liebste Phyllis, wenn es dir passt, triff mich um 20:15 Uhr im..." und statt des nächsten Wortes eine kleine Zeichnung einer aufgehenden Sonne. Unterschrieben war sie mit "Alice".
Die Zeichnung war ein Scherz. Gemeint war der Pub "Aufgehende Sonne".
Der letzte Abend
Am Abend des 11. September zog Emily durch die Pubs von Camden Town, wie so oft.
Zeugen sahen sie in dieser Nacht mit einem Mann. Kellnerinnen und Stammgäste beschrieben ihn später als ordentlich gekleidet, aber nicht wohlhabend. Die Zeitungen nannten ihn "ärmlich, aber anständig".
Von hier an gehen die Darstellungen dieser Nacht auseinander. Die Anklage sagte später, sie habe den Abend mit einem bestimmten Mann verbracht und sei mit ihm gegangen. Andere Zeugen sagten, sie hätten sie nach Mitternacht mit einem anderen Mann gesehen.
**Sicher ist nur das: Irgendwann in dieser Nacht ging Emily Dimmock nach Hause, legte sich schlafen und wurde im Schlaf getötet.**
Der Polizeiarzt untersuchte die Leiche. Er setzte den Tod in die frühen Morgenstunden. Die Quellen nennen leicht unterschiedliche Zeitfenster: zwischen 3 und 4 Uhr morgens oder zwischen 3 und 6 Uhr.
Ein Mann auf der Straße
Gegen 5 Uhr morgens am 12. September ging ein Fuhrmann, ein Mann, der mit Pferd und Wagen sein Geld verdiente, die St Paul's Road entlang. Er sah einen Mann aus einem Haus kommen.
Das Gesicht des Mannes sah er nicht deutlich. Es war noch dunkel, und das Licht war schlecht. Ihm fiel nur eines auf: Der Mann ging seltsam, mit einem ruckartigen Zucken der Schultern.
Das war der einzige Mensch, den jemand zur Tatzeit in der Nähe des Hauses sah. Dass er überhaupt aus Nummer 29 kam, wurde nie bewiesen.
Der Tatort
Die Kriminalbeamten, die an diesem Abend eintrafen, fanden mehrere seltsame Einzelheiten.
Im Schlafzimmer gab es keine Kampfspuren. Sie war im Schlaf angegriffen worden, mit einer sehr scharfen Klinge. Die Waffe wurde nie gefunden.
Im vorderen Zimmer standen nach einer ausführlichen Darstellung noch die Reste eines Abendessens für 2 auf dem Tisch.
Emily sammelte Ansichtskarten, wie viele Menschen in jenen Jahren. Ihr Album lag offen, und einige Karten waren herausgerissen.
Die Ermittler zogen daraus einen Schluss. Der Mörder hatte etwas gesucht. Wahrscheinlich etwas in seiner eigenen Handschrift.
Auch einige kleine Dinge fehlten. Eine Darstellung nennt die Uhr und das Zigarettenetui ihres Partners und Emilys Geldbörse. Andere Quellen sagen, es sei kaum etwas mitgenommen worden und das Motiv sei unklar gewesen.
Im Kamin fand die Polizei die verbrannten Reste eines Briefes. Sie passten zu dem, was der Schiffskoch beschrieben hatte.
Der Partner wird entlastet
Als Ersten überprüfte die Polizei ihren Partner. Bei einem Mord im Schlafzimmer wird immer zuerst der Partner überprüft.
Er hatte ein starkes Alibi. In der Mordnacht arbeitete er in seinem Zug, weit weg von London. Die Polizei bestätigte das, und er wurde schnell entlastet.
Auch der Schiffskoch war entlastet. Die Polizei stand ohne Verdächtigen da.
Die Postkarte taucht auf
Der Brief mit der Unterschrift "Bert" war verbrannt. Aber die Postkarte mit der aufgehenden Sonne lag nicht im Zimmer.
Die Ermittler glaubten, der Mörder habe sie gefunden und mitgenommen.
Sie irrten sich. Etwa 2 Wochen nach dem Mord packte ihr Partner die Zimmer zusammen, um auszuziehen. Unter dem Papier, mit dem eine Schublade ausgelegt war, fand er die Postkarte. Emily hatte sie dort versteckt.
Jetzt hatte die Polizei eine Probe der Handschrift des Mannes, der sich mit ihr verabredet hatte.
Die Polizei gab die Postkarte an die Zeitungen. Abbildungen erschienen in ganz London, mit der Frage: Wer hat das geschrieben?
Am 29. September setzte die beliebte Sonntagszeitung News of the World eine Belohnung von 100 Pfund für Hinweise auf den Schreiber aus.
Die Frau, die die Handschrift erkannte
In einem anderen Teil Londons sah eine junge Frau die Postkarte in der Zeitung und erkannte die Handschrift sofort.
Sie war früher die Freundin eines jungen Künstlers namens Robert Wood gewesen. Er arbeitete als Entwerfer bei einer Londoner Firma, die Glas verzierte. Manche Quellen nennen ihn Graveur, andere Gebrauchsgrafiker.
Sie kannte auch seine kleinen Skizzen. Er zeichnete oft kleine Bilder in seine Briefe.
Bevor sie sich an irgendjemanden wandte, kam Robert Wood zu ihr.
Nach ihrer späteren Aussage gab er zu, die Karte geschrieben zu haben. Er sagte, er habe im Rising Sun eine Frau kennengelernt, die sich Phyllis nannte, und sie habe ihn gebeten, eine Postkarte für sie zu schreiben.
Dann bat er sie um einen Gefallen. Wenn jemand fragte, solle sie sagen, er sei an den Abenden der Mordwoche bei ihr gewesen.
Er tat noch mehr. Nach den Beweisen im Prozess bat er seinen Vorarbeiter, niemandem zu sagen, dass die Handschrift von ihm stammte. Er sagte, sein Vater sei krank, und ein Skandal würde ihm schaden.
Er bat auch einen Freund, der ihn am Abend des 11. September mit einer Frau in einem Pub gesehen hatte, diese Frau aus allem herauszulassen, was er sagen würde.
Die Festnahme
Die junge Frau schwieg einige Tage. Dann erzählte sie es einem Bekannten. Der Bekannte kannte einen Journalisten.
Der Journalist wandte sich an Scotland Yard, die Londoner Polizei. Ein Treffen am Piccadilly, im Stadtzentrum, wurde vereinbart. Ein Kriminalinspektor kam dazu.
Am 4. Oktober 1907 verhaftete der Inspektor Robert Wood.
Zuerst erzählte Robert Wood der Polizei die Geschichte, die er vorbereitet hatte: In der Mordnacht sei er zu Hause bei seinem kranken Vater gewesen.
Dann brach das Alibi zusammen. Die junge Frau erzählte der Polizei alles, auch dass er sie gebeten hatte, für ihn zu lügen.
Er änderte seine Aussage. Ja, er kannte Phyllis. Ja, er hatte die Postkarte geschrieben. Ja, er war am Abend des 11. September mit ihr im Pub gewesen. Aber in dieser Nacht habe er sich von ihr getrennt und sei nach Hause gegangen. Er habe sie nicht getötet.
Er wurde wegen Mordes angeklagt.
Warum er ernsthaft verdächtig war
Aus Sicht der Polizei sah der Fall gegen Robert Wood stark aus.
Er kannte das Opfer. Er hatte die Postkarte geschrieben, mit der ein Treffen verabredet wurde. Man hatte ihn am letzten Abend ihres Lebens mit ihr trinken sehen.
Er hatte die Polizei belogen. Er hatte eine frühere Freundin gebeten, für ihn zu lügen. Er hatte seinen Vorarbeiter und einen Freund gebeten zu schweigen.
Der Fuhrmann sagte, der Mann auf der Straße habe einen auffälligen Gang gehabt. Robert Wood, so die Anklage, ging ähnlich.
Und auf der Karte war die Zeichnung der aufgehenden Sonne. Robert Wood war Künstler.
Warum der Fall schwach war
Aber jedes Glied der Kette hatte eine Lücke.
Niemand hatte ihn in dieser Nacht ins Haus gehen sehen. Niemand hatte ihn herauskommen sehen.
Der Fuhrmann gab vor Gericht zu, dass das Licht schlecht war und dass er nicht sicher sagen konnte, wer der Mann war.
Keine Waffe wurde je mit ihm in Verbindung gebracht. Keiner der fehlenden Gegenstände wurde bei ihm gefunden.
Und es gab kein Motiv. Niemand konnte erklären, warum ein junger Mann mit fester Arbeit einer Frau, die er kaum kannte, die Kehle durchschneiden sollte.
Der Prozess
Der Prozess begann am 12. Dezember 1907 im Old Bailey, dem zentralen Strafgericht Londons. Genau 3 Monate nachdem die Leiche gefunden worden war.
Die Anklage führte einer der ranghöchsten Juristen der Krone im Land.
Die Verteidigung führte Edward Marshall Hall, der berühmteste Strafverteidiger seiner Zeit. Robert Woods Arbeitgeber glaubten an ihn und halfen, seine Verteidigung zu bezahlen.
Der Saal war überfüllt. Jeden Tag standen draußen Menschenmengen in der Kälte.
Die Zeugen
Die Anklage rief die Leute aus den Pubs auf. Eine Kellnerin und mehrere Gäste sagten, sie hätten Robert Wood an mehreren Abenden mit Phyllis gesehen.
Der Fuhrmann beschrieb den Mann mit dem ruckartigen Gang. Im Kreuzverhör durch die Verteidigung gab er zu, dass die Straße dunkel war, dass er das Gesicht des Mannes nicht gesehen hatte und dass er nicht beschwören konnte, dass es der Angeklagte war.
Die frühere Freundin sagte aus. Sie schilderte dem Gericht, wie Robert Wood sie um ein falsches Alibi gebeten hatte.
Die Verteidigung ging direkt auf diesen Punkt ein. Das Alibi, um das er sie gebeten hatte, betraf den Abend, nicht die Stunden vor der Dämmerung, in denen der Mord geschah. Ein Mann, der um 4 Uhr morgens getötet hätte, so die Verteidigung, hätte um ein Alibi für 4 Uhr morgens gebeten.
Die Verteidigung brachte außerdem Zeugen, die sagten, sie hätten Emily Dimmock nach Mitternacht mit einem anderen Mann gesehen, nicht mit Robert Wood.
Warum hatte er gelogen? Die Verteidigung hatte eine einfache Antwort. Er war ein ehrbarer junger Mann mit einem kranken Vater und einer guten Stelle. Er hatte Todesangst, öffentlich mit einer Prostituierten und einem Mord in Verbindung gebracht zu werden. Er log aus Panik, nicht aus Schuld.
Der Angeklagte spricht
Dann trat Robert Wood selbst in den Zeugenstand.
In jenen Jahren war das noch recht neu. Ein Gesetz von 1898 hatte Angeklagten in England erlaubt, zu ihrer eigenen Verteidigung auszusagen. Viele Juristen hielten das für gefährlich.
Sein Verteidiger stellte ihm die erste Frage: "Robert Wood, haben Sie Emily Dimmock getötet?"
Robert Wood antwortete nicht. Der Verteidiger musste noch einmal fragen.
Dann sagte er: "Ich meine, das ist doch lächerlich."
Es war ein schlechter Anfang. Im Kreuzverhör der Anklage blieb er vage und wirkte manchmal fast gelangweilt. Viele im Saal glaubten, er schade sich selbst.
Das Urteil
In seinem Schlussplädoyer ging der Verteidiger die Beweise Glied für Glied durch und zeigte, dass sich jedes auch anders deuten ließ. Nach Berichten über den Prozess war die Rede so eindringlich, dass einer der Geschworenen ohnmächtig wurde.
Dann fasste der Richter den Fall für die Geschworenen zusammen. Viele hatten erwartet, dass er zu einer Verurteilung neigen würde. Er tat genau das Gegenteil.
Er sagte den Geschworenen, die Beweise seien reine Indizien. Die Anklage habe den Fall nicht nah genug an den Angeklagten herangeführt.
Die Geschworenen zogen sich am 18. Dezember 1907 um 19:45 Uhr zurück. 15 Minuten später kamen sie wieder.
Das Urteil: nicht schuldig.
Vor dem Old Bailey jubelte die Menge. In Londoner Theatern wurden Vorstellungen unterbrochen, um das Urteil von der Bühne zu verkünden.
Die frühere Freundin, deren Aussage zur Festnahme geführt hatte, musste heimlich aus dem Gebäude gebracht werden. Ein Teil der Menge sah in ihr eine Verräterin.
Wo der Fall steht
Mit dem Freispruch waren die Ermittlungen in einer Sackgasse.
Die Polizei hatte den ganzen Fall auf einen einzigen Mann gebaut. Als die Geschworenen ihn verwarfen, gab es keinen zweiten Verdächtigen.
**Hier endet, was wir wissen. Nach Dezember 1907 wurde kein neuer Beweis gefunden, und niemand sonst wurde je wegen des Mordes an Emily Dimmock angeklagt.**
Was fehlte, ist klar.
Die Waffe wurde nie gefunden. Die verschwundenen kleinen Dinge, falls überhaupt etwas genommen wurde, tauchten nie auf. Fingerabdrücke spielten bei den Beweisen im Prozess keine Rolle, obwohl Scotland Yard sie erst wenige Jahre zuvor eingeführt hatte. Blutgruppenbestimmung und DNA gab es noch nicht.
Der einzige Zeuge, der zur fraglichen Zeit einen Mann am Haus gesehen hatte, konnte sein Gesicht nicht beschreiben.
Dass der Schreiber des Briefes mit der Unterschrift "Bert" auch ihr Mörder war, wurde nie bewiesen. Robert Wood gab zu, die Postkarte geschrieben zu haben. Der Brief selbst war verbrannt.
Robert Wood verschwand aus der Öffentlichkeit. Die Berichte über sein späteres Leben widersprechen sich. Einer sagt, er habe seinen Namen geändert und sei nach Australien gegangen. Ein anderer, er sei in England geblieben, habe geheiratet und Kinder bekommen. Keiner ist sicher bestätigt.
Alle, die mit dem Fall zu tun hatten, sind längst tot.
Der Maler
Der Fall hinterließ eine seltsame Spur in der englischen Kunst.
1908 und 1909 schuf ein bekannter Londoner Maler, der in Camden Town lebte und arbeitete, eine Reihe von Gemälden, Zeichnungen und Radierungen mit dem Titel "Der Camden-Town-Mord". Jedes Bild zeigt einen bekleideten Mann und eine nackte Frau in einem kleinen, dunklen Zimmer.
Die Bilder sind keine Dokumentation des Verbrechens. Aber sie haben den Namen des Falls mehr als 100 Jahre lang lebendig gehalten.
Verdächtige und Theorien
Das sind die Theorien, die in den Quellen belegt sind. Keine davon ist bewiesen.
**Doch Robert Wood.** Die Hinweise: Er kannte sie, verabredete sich mit ihr, log und bat andere zu lügen. Diesen Fall legte die Anklage 1907 den Geschworenen vor. Das Problem: Geschworene hörten alle Beweise und sprachen ihn in 15 Minuten frei. Seitdem wurde nichts Neues gefunden. Rechtlich ist er unschuldig, und er muss als unschuldig gelten.
**Ein Freier, den sie in dieser Nacht mitbrachte.** Die Hinweise: Sie brachte oft Männer mit nach Hause. Zeugen sagten, sie hätten sie nach Mitternacht mit einem Mann gesehen, der nicht Robert Wood war. Das Abendessen für 2 und das durchsuchte Postkartenalbum deuten darauf hin, dass jemand im Zimmer war, den sie kannte oder gerade kennengelernt hatte. Das Problem: Dieser Mann wurde nie identifiziert.
**Ihr Partner kam heimlich vom Zug zurück.** Einige spätere Autoren fragten, ob er seinen Zug in der Nacht heimlich verlassen haben könnte. Das Problem: Die Polizei prüfte sein Alibi damals und akzeptierte es. Kein Beweis hat diese Idee je gestützt.
**Der Maler.** Einige Autoren versuchten, den Maler aus Camden Town wegen seiner Bilder und weil er in der Nähe wohnte, mit dem Mord in Verbindung zu bringen. Das Problem: Nichts belegt, dass er im Haus war, und nichts verband ihn mit dem Opfer. Die meisten Historiker lehnen die Idee ab.
Was bleibt, ist eine junge Frau, die im Schlaf getötet wurde, eine Postkarte mit der Zeichnung einer aufgehenden Sonne und ein Mann mit ruckartigem Gang auf einer dunklen Straße, dessen Gesicht niemand gesehen hat.