Der Mordfall Hall-Mills: ein Pfarrer, eine Chorsängerin und ein Holzapfelbaum
Am Donnerstag, dem 14. September 1922, sagte ein Pfarrer in der Stadt New Brunswick in New Jersey zu seiner Frau, dass er noch einmal weggehe.
New Brunswick ist eine Universitätsstadt im Nordosten der USA, zwischen New York und Philadelphia. Der Pfarrer hieß Edward Hall. Er war 41 Jahre alt und leitete die Episkopalkirche St. John the Evangelist, eine der angesehenen Kirchen der Stadt.
Nach dem, was seine Frau später berichtete, hatte an diesem Tag eine Frau aus der Gemeinde für ihn angerufen. Gegen 7 Uhr abends kam ein weiterer Anruf. Gegen 7:40 Uhr sagte er, er wolle sich um eine Arztrechnung dieser Frau kümmern, und ging aus dem Haus.
Die Frau war Eleanor Mills. Sie war 34 Jahre alt und sang Sopran in seinem Chor. Ihr Mann arbeitete in derselben Kirche als Küster, als der Mann, der sich um das Gebäude kümmert. Die Familie Mills wohnte in einer kleinen Wohnung und hatte kein eigenes Telefon.
An diesem Abend verließ auch Eleanor Mills ihr Zuhause. Weder sie noch der Pfarrer kamen in dieser Nacht zurück.
Die Nacht der Suche
Die Frau des Pfarrers lebte mit ihm in einem großen Haus in der besten Straße der Stadt. Ihr Bruder wohnte bei ihnen. Er war etwa 50, ein eigenartiger Mann, der nicht allein leben konnte, und die Zeitungen sollten später grausam mit ihm umgehen.
Nach ihrer eigenen Schilderung ging sie zu Bett. Gegen 2:30 Uhr nachts stand sie auf und zog sich an, weil ihr Mann immer noch nicht zu Hause war. Mit ihrem Bruder ging sie zur Kirche. Sie war dunkel. Sie gingen an dem Haus vorbei, in dem die Familie Mills wohnte. Auch dort war es dunkel. Sie gingen nach Hause.
Am nächsten Morgen, Freitag, dem 15. September, trafen sich die Frau des Pfarrers und der Mann der Sängerin an der Kirche. Beide suchten jemanden. Später nannten sie unterschiedliche Uhrzeiten für dieses Treffen: sie sagte 7 Uhr morgens, er 8:30 Uhr. Ein kleiner Unterschied. Aber in diesem Fall wurde keine Kleinigkeit je geklärt.
Was zwei junge Leute auf einem Feldweg fanden
Am Morgen des Samstags, 16. September 1922, gingen ein junger Mann von 23 und ein Mädchen von 15 Jahren einen Feldweg direkt außerhalb von New Brunswick entlang. Der Weg hieß De Russey's Lane. In der Stadt kannte man ihn als Weg der Liebespaare.
Unter einem Holzapfelbaum, am Rand eines Feldes, sahen sie einen Mann und eine Frau auf dem Rücken liegen.
Die beiden lagen nebeneinander, die Füße zum Baum gerichtet. Der Kopf der Frau ruhte auf dem Arm des Mannes. Ein Panamahut bedeckte das Gesicht des Mannes.
Es waren der Pfarrer und die Sängerin. Sie waren schon eine Weile tot.
Jemand hatte die Toten so hingelegt. Zwischen ihnen und über ihnen lagen zerrissene Briefe verstreut. Eine kleine weiße Visitenkarte, wie sie ein angesehener Mann damals in der Tasche trug, lehnte am linken Fuß des Pfarrers. Es war seine eigene Karte.
Später setzte man die Stücke eines der Briefe wieder zusammen. Er war in der Handschrift der Sängerin geschrieben. Eine Zeile lautete: "Es gibt keinen Mann, der mich so zum Lächeln bringen könnte, wie du es heute getan hast."
Was die Toten zeigten
Beide waren mit einer Pistole vom Kaliber .32 erschossen worden. In der Nähe lag eine leere Patronenhülse.
Auf den Pfarrer war einmal geschossen worden. Die Kugel trat über dem rechten Ohr ein und am Hals wieder aus. Er hatte einen kleinen Bluterguss am Ohr, Kratzer an zwei Fingern und eine Wunde an der rechten Wade. Seine goldene Uhr fehlte. Die Münzen in seiner Tasche waren noch da.
Auf die Sängerin war 3-mal geschossen worden: unter das rechte Auge, in die rechte Schläfe und über das rechte Ohr. Ihre Kehle war durchgeschnitten. Ein brauner Seidenschal war darum gewickelt. Sie trug ein blaues Kleid mit roten Punkten. Sie hatte einen Bluterguss am Arm und einen kleinen Schnitt an der Lippe.
Ein Polizist bemerkte, dass sich bereits Insekten an ihrem Körper zu schaffen machten. Das hieß: Sie war seit mindestens 24 Stunden tot. Alles deutete auf die Nacht von Donnerstag, dem 14. September: die Nacht, in der beide ihr Zuhause verlassen hatten.
In einer Hinsicht war der Fall also klar. Zwei Verheiratete, jeder mit einem anderen Partner, hatten sich heimlich getroffen. Ihre Briefe lagen um sie herum. Jemand hatte beide erschossen und wollte, dass alle wussten, warum.
Wer dieser Jemand war, war überhaupt nicht klar.
Ermittlungen, die falsch begannen
Der erste Fehler geschah in der ersten Stunde.
Der Feldweg lag knapp jenseits einer Bezirksgrenze. Die Polizei von New Brunswick kam zuerst, aber das Feld gehörte zum Nachbarbezirk. Stundenlang stritten die beiden Bezirke, wessen Fall es sei. Niemand übernahm den Tatort.
Inzwischen kamen die Massen. Die Nachricht verbreitete sich schnell, und die Leute zogen aus der Stadt hinaus, um sich den Ort anzusehen. Sie zertrampelten den Boden. Sie nahmen Andenken mit. Sie reichten die Visitenkarte von Hand zu Hand. In den folgenden Monaten plünderten Besucher sogar den Holzapfelbaum selbst. Zum Prozess, 4 Jahre später, war er verschwunden.
Der zweite Fehler war ein medizinischer. Der erste Arzt, der die Sängerin untersuchte, nahm keine richtige Obduktion vor. Die ersten Berichte sagten, sie sei einmal getroffen worden. Erst eine zweite Untersuchung einige Wochen später fand 3 Schusswunden. Der Leichenbeschauer gab öffentlich zu, keine richtige Obduktion gemacht zu haben.
Der dritte Fehler war eine Spur, der niemand nachging. Am Tag, an dem die Toten gefunden wurden, ging ein Fahrer aus einem Nachbarort zur Polizei von New Brunswick. Er sagte, er habe in der Mordnacht einen kleinen Ford ohne Nummernschilder gesehen, mit 3 Männern darin. Niemand verfolgte seine Meldung.
Bei der Staatsanwaltschaft gingen auch Briefe und Anrufe ein, der Ku-Klux-Klan stecke hinter den Morden. Der Klan war damals in New Jersey stark und gab sich als Hüter der öffentlichen Moral. Auch diesen Hinweisen ging niemand nach.
Wen die Polizei ins Auge fasste
Die Ermittler schauten zuerst auf die Menschen, die den Toten am nächsten standen.
Der Mann der Sängerin wurde befragt. Er war ein stiller Mann, die Zeitungen beschrieben ihn als schwach und unterwürfig. Bald schied er als Verdächtiger aus.
Die Frau des Pfarrers zog weit mehr Aufmerksamkeit auf sich. Sie stammte aus einer reichen und bekannten Familie. Sie war 48, 7 Jahre älter als ihr Mann. Wenn die ganze Stadt von der Affäre wusste, war schwer zu glauben, dass ausgerechnet sie nichts wusste. Ihr jüngerer Bruder, der in ihrem Haus lebte, besaß einen Revolver vom Kaliber .32. Sie hatte noch einen zweiten Bruder, und die Familie hatte einen Cousin aus denselben Kreisen.
Doch gegen sie gab es keinen Fall, nur einen Umriss. Es fand sich keine passende Waffe. Es gab keinen Zeugen, der sie am Feld gesehen hatte. Den nächtlichen Gang der Frau zur Kirche konnte man auf 2 Arten lesen: als Suche einer besorgten Frau oder als etwas anderes. Mehr gab es nicht.
Die Schweinezüchterin
Mitte Oktober 1922 tauchte eine neue Zeugin auf.
Es war eine Frau, die auf einem kleinen Hof am Feldweg Schweine hielt und in einer umgebauten Scheune wohnte. Die Zeitungen nannten sie "die Schweinefrau", und der Name blieb.
Sie sagte, in der Nacht des 14. September, gegen 9 Uhr abends, habe ihr Hund in Richtung Feld zu bellen begonnen. Sie dachte, jemand stehle ihren Mais. Sie stieg auf ihr Maultier und ritt hinaus, um nachzusehen.
Am Holzapfelbaum, so sagte sie, habe sie eine Gruppe streitender Menschen gesehen. Sie habe einen Schuss gehört. Sie sei davongeritten. Dann habe sie weitere Schüsse gehört.
Sie nannte Namen: die Frau des Pfarrers, deren 2 Brüder und den Cousin.
Ihre Geschichte hatte von Anfang an ein Problem. Sie veränderte sich. Was sie der Polizei sagte, was sie den Zeitungen sagte und was sie später unter Eid aussagte, war nicht dieselbe Geschichte. Teile passten nicht zu den medizinischen Befunden. Jede Fassung enthielt mehr Einzelheiten als die vorige.
Die Grand Jury sagt Nein
Ende November 1922 kam der Fall vor eine Grand Jury: das Gremium, das entscheidet, ob die Beweise überhaupt für eine Anklage reichen.
Sie hörte 67 Zeugen an 5 Tagen. Der Schweinezüchterin glaubte sie nicht. Sie entschied, dass die Beweise nicht reichten, um irgendjemanden anzuklagen.
Die Frau des Pfarrers reiste nach Europa.
**Hier endete der Fall von 1922. Zwei Menschen waren erschossen und unter einen Baum gelegt worden, und die amtliche Antwort lautete: Niemand kann angeklagt werden.**
Dann ruhte der Fall fast 4 Jahre lang.
Wie eine Scheidung einen Mord wieder aufrollte
Im Juli 1926 ging ein Mann in New Jersey vor Gericht, um seine Ehe auflösen zu lassen.
Seine Frau hatte 1922 als Dienstmädchen im Haus des Pfarrers gearbeitet. In seinem Antrag machte der Mann eine verblüffende Behauptung. Er sagte, seine Frau habe zurückgehalten, was sie über die Mordnacht wusste, und für ihr Schweigen 5.000 Dollar bekommen.
Er sagte noch mehr. Seinen Worten nach habe seine Frau in der Nacht des 14. September der Frau des Pfarrers erzählt, dass der Pfarrer mit der Sängerin durchbrennen wolle. Und seinen Worten nach seien die Frau des Pfarrers, ihr jüngerer Bruder und das Dienstmädchen selbst daraufhin zum Feld gefahren.
Das frühere Dienstmädchen bestritt alles. Sie nannte die Geschichte ihres Mannes "einen Haufen Lügen".
Nichts davon wurde je vor Gericht bewiesen. Aber es war genau die Geschichte, nach der eine neue Art von Zeitung hungerte.
Eine Zeitung übernimmt
1924 hatte einer der mächtigsten Verleger Amerikas ein New Yorker Boulevardblatt namens Daily Mirror gekauft. Boulevardzeitungen waren damals neu: kleine Seiten, große Fotos, Verbrechen auf der Titelseite.
Der Daily Mirror griff die Geschichte des Dienstmädchens auf. Er veröffentlichte "neue Beweise" gegen die Frau des Pfarrers und ihre Familie. Tag für Tag forderte er, den Fall wieder aufzunehmen.
Der Gouverneur von New Jersey ordnete neue Ermittlungen an. Ende Juli 1926 ergingen Haftbefehle. Die Frau des Pfarrers, ihre 2 Brüder und der Cousin wurden festgenommen. Alle 4 erklärten sich für nicht schuldig.
Für den Cousin wurde später ein eigener Prozess angesetzt, doch am Ende kam er nie vor Gericht. Die anderen 3 standen gemeinsam vor Gericht.
Die Toten werden erneut untersucht
Vor dem Prozess wurden beide Leichen exhumiert und erneut untersucht.
Die neue Obduktion der Sängerin fand etwas, das die Ärzte von 1922 übersehen oder nicht festgehalten hatten. Ihr war die Zunge herausgeschnitten worden und mit ihr der Kehlkopf, das Stimmorgan. Ein Historiker, der in der Zeitschrift einer Universitätsbibliothek über den Fall schrieb, hält fest, dass dies erst 4 Jahre nach dem Mord an der exhumierten Leiche entdeckt wurde.
Die Quellen beschreiben den Befund leicht unterschiedlich: manche sprechen von der Zunge, andere von Zunge und Kehlkopf. Alle sind sich einig, dass man es 1922 nicht wusste.
Für die Anklage passte das zu einem Bild von Wut, die sich gegen die Stimme einer Frau richtete: die Stimme, die im Chor sang.
Der Prozess
Der Prozess begann am Mittwoch, dem 3. November 1926, im Bezirksgericht von Somerville, New Jersey, einer kleinen Stadt nicht weit vom Feld.
Mehr als 300 Reporter kamen. Allein die New York Times hatte 4 Stenografen im Saal, um jedes Wort mitzuschreiben. In den Wochen des Prozesses verschickte die Presse mehr als 12 Millionen Wörter darüber. Berühmte Schriftsteller saßen im Publikum. Es war einer der ersten Prozesse in den USA, über den wie über eine Show berichtet wurde.
Die Geschworenen hörten, wie die Liebesbriefe laut vorgelesen wurden: die Briefe, die über den Toten verstreut gelegen hatten.
Die Frau des Pfarrers sagte aus. Sie blieb während stundenlanger Befragung ruhig und beherrscht, und die Presse nannte sie "die eiserne Witwe".
Auch ihr jüngerer Bruder sagte aus. Die Zeitungen hatten ihn 4 Jahre lang als einfältig verspottet. Im Zeugenstand gab er klare und ruhige Antworten, und viele Beobachter fanden ihn glaubwürdig.
Der Fingerabdruck
Das wichtigste Sachbeweisstück der Anklage war die Visitenkarte vom Fuß des Pfarrers.
Gutachter der Anklage sagten aus, ein Fingerabdruck darauf stamme vom linken Zeigefinger des jüngeren Bruders.
Die Verteidigung griff das scharf an. Die Karte hatte etwa 36 Stunden unter freiem Himmel gelegen, bevor man sie fand. Danach war sie von Polizisten und Neugierigen aus der Menge von Hand zu Hand gegangen. Niemand hatte sie als Beweisstück behandelt. Gutachter der Verteidigung bestritten, dass der Abdruck von ihm stammte.
Es gab noch ein Problem. Er wohnte im selben Haus wie der Pfarrer. Ein Abdruck von ihm auf einer Karte aus diesem Haus bewies für sich allein nicht, wo er in der Mordnacht gewesen war.
Die Zeugin im Krankenbett
Die Kronzeugin der Anklage war die Schweinezüchterin.
Im Herbst 1926 war sie schwer krank. Sie wurde in einem Krankenbett in den Saal getragen und sagte im Liegen aus.
Sie erzählte noch einmal von ihrem Hund, ihrem Maultier und dem Holzapfelbaum. Sie sagte, sie habe eine Frau den Namen "Henry" rufen hören. Sowohl der ältere Bruder als auch der Cousin hießen Henry. Sie zeigte auf die Angeklagten.
Dann nahm die Verteidigung ihre Geschichte auseinander: die Daten, die Fassungen, die Einzelheiten, die mit jedem Erzählen gewachsen waren. Sie stellte sie als Frau dar, der man nicht glauben dürfe.
Und hinten im Saal saß eine alte Frau: die Mutter der Zeugin. Während der Aussage rief sie immer wieder: "Sie ist eine Lügnerin!"
Einmal stützte sich die Zeugin im Bett auf einen Ellbogen und sagte: "Ich habe die Wahrheit gesagt, so wahr mir Gott helfe, und Sie wissen es!"
Das Urteil
Am 3. Dezember 1926 zogen sich die Geschworenen zur Beratung zurück. Sie berieten etwa 5 Stunden.
Sie sprachen alle 3 frei: die Frau des Pfarrers und ihre beiden Brüder.
Das muss man klar sagen. Vor dem Gesetz waren alle 3 unschuldig. Sie standen vor Gericht und wurden freigesprochen. Niemand sonst wurde je wegen des Mordes an Edward Hall und Eleanor Mills angeklagt.
Nach dem Urteil verklagte die Familie den Daily Mirror und seinen Besitzer wegen Verleumdung. Die Quellen nennen unterschiedliche Summen. Die Klagen wurden außergerichtlich beigelegt, für einen Betrag, der nie veröffentlicht wurde.
Wo der Fall steht
Der Fall wurde nie gelöst.
Die Gründe stehen in den Akten. Der Tatort ging in den ersten Stunden unter den Füßen einer Menschenmenge verloren. Die erste Obduktion war keine richtige Obduktion. Die Visitenkarte, die beste Spur, ging durch fremde Hände, bevor jemand daran dachte, sie zu sichern. Der Hinweis auf ein Auto mit 3 Männern wurde nie geprüft. Die goldene Uhr tauchte nie wieder auf.
Als ein Gericht den Fall verhandelte, waren 4 Jahre vergangen, der Baum war weg, und die Hauptzeugin lag im Sterben.
Heute lebt niemand mehr, der es wissen könnte. Die Schweinezüchterin starb im Februar 1930 in einem Krankenhaus. Der Cousin starb 1934. Der ältere Bruder starb am 3. Dezember 1939, genau 13 Jahre nach dem Freispruch. Die Frau des Pfarrers starb am 19. Dezember 1942. Ihr jüngerer Bruder starb 11 Tage nach ihr.
Ein pensionierter Polizeichef aus der Gegend sagte, heute könne nur noch ein schriftliches Geständnis, etwa in einem Tagebuch, den Fall lösen. Ein solches Dokument ist nicht bekannt.
Die Theorien
All das sind Theorien. Keine wurde bewiesen.
**Die Familie.** Das war die These der Anklage: die betrogene Frau und ihre Brüder hätten das Paar getötet. Ein Buch über den Fall von 1999, Fatal Tryst ("Tödliches Stelldichein"), kam zu dem Schluss, die Familie sei schuldig. Die Indizien: das Motiv, der Revolver im passenden Kaliber, der nächtliche Gang, der Fingerabdruck. Das Problem: Eine Jury hörte all das und sprach alle 3 frei. Der Fingerabdruck war umstritten, der Hauptzeugin glaubte man nicht.
**Der Ku-Klux-Klan.** Ein Buch eines bekannten amerikanischen Anwalts von 1964, The Minister and the Choir Singer ("Der Pfarrer und die Chorsängerin"), vertrat die These, der Klan habe das Paar als Strafe für die Affäre getötet. Die Indizien: die Hinweise an die Staatsanwaltschaft 1922, der inszenierte Tatort, der wie eine Botschaft wirkte, die Stärke des Klans in New Jersey zu jener Zeit. Das Problem: Der Autor selbst räumte ein, dass der Klan in New Jersey zuvor nie jemanden getötet hatte.
**Gedungene Mörder.** 1969, 47 Jahre nach den Morden, meldete sich ein Mann und sagte, der jüngere Bruder habe ihn gebeten, 6.000 Dollar von der Witwe an 2 gedungene Mörder weiterzugeben. Das Problem: Die Ermittler konnten keinen Teil seiner Geschichte bestätigen, und alle, die er nannte, waren längst tot.
Jemand legte zwei Tote unter einen Holzapfelbaum, legte einen Hut auf ein Gesicht und eine Karte an einen Fuß und ging fort. Mehr als 100 Jahre später weiß niemand, wer.