Das Flatwoods-Monster: die Nacht, in der 7 Menschen einen Hügel hinaufstiegen und zurückrannten
Kurz nach 7 Uhr abends am 12. September 1952 spielte eine Gruppe Jungen auf einem Schulsportplatz in einer kleinen Stadt in den Hügeln von West Virginia, im Osten der USA.
Etwas Helles zog über den Himmel.
Dann schien es hinter einem Hügel herunterzufallen, auf eine Farm am Rand des Ortes. Einige der Jungen sagten, sie hätten es am Boden leuchten sehen.
Sie liefen los, um einem Erwachsenen Bescheid zu sagen.
Eine halbe Stunde später stiegen 7 Menschen in der Dunkelheit diesen Hügel hinauf. Was sie dort oben nach eigener Aussage sahen, wurde als das Flatwoods-Monster bekannt.
Das Rätsel in einem Satz: 7 Einheimische, darunter eine Mutter und ein junger Soldat, beschrieben eine leuchtende, etwa 3 Meter große Gestalt, die an einem Hang auf sie zuschwebte, und mehr als 70 Jahre später hat niemand nachgewiesen, was es wirklich war.
Der Ort und die Menschen
Flatwoods ist ein Dorf etwa 310 km westlich von Washington, der amerikanischen Hauptstadt.
Die Jungen rannten zum Haus von 2 Brüdern aus ihrer Gruppe. Deren Mutter arbeitete im Ort als Kosmetikerin. Sie hörte zu und beschloss, selbst auf den Hügel zu gehen.
Sie nahm einen 17-Jährigen mit, der in der Nationalgarde des Bundesstaates diente, einer militärischen Reserve. Er brachte eine Taschenlampe mit. Auch ein Hund lief mit.
Die Quellen sind sich nicht ganz einig, wer zur Gruppe gehörte. Die meisten Berichte nennen 7 Personen: die Mutter, den jungen Gardisten und 5 Jungen zwischen etwa 10 und 14 Jahren. Die Namen von 1 oder 2 Jungen wechseln von Bericht zu Bericht. Bei der Mutter und dem Gardisten stimmen alle überein.
Den Hügel hinauf
Der Hang war steil und mit hohem Gras bewachsen, oben stand eine Reihe Bäume.
Während sie hinaufstiegen, zog Nebel über das Gras. Die Zeugen sagten später, er habe scharf und metallisch gerochen und in Augen und Nase gebrannt.
Der Hund lief voraus und verschwand hinter der Kuppe. Sie hörten ihn bellen. Gleich darauf raste er an ihnen vorbei zurück, den Schwanz zwischen den Beinen.
Kurz vor dem Gipfel sagte einer der Jungen, er sehe rechts ein rot pulsierendes Licht. Einige erzählten später, in dieser Richtung habe eine große, runde Form am Boden gelegen und geleuchtet.
Dann richtete der Gardist seine Taschenlampe auf 2 glänzende Punkte unter einem Baum.
Was sie gesehen haben wollen
Der Lichtstrahl erfasste eine Gestalt.
Sie war sehr groß, zwischen 3 und 3,7 Meter. Sie hatte ein rundes, rotes Gesicht. Um das Gesicht lag eine dunkle Form, oben spitz wie eine Kapuze oder wie das Pik-Symbol auf einer Spielkarte. Wo die Augen sein sollten, leuchteten 2 Lichtpunkte, grünlich oder orange.
Unter dem Gesicht war der Körper dunkel. Manche sagten, grün. Manche sagten, er falle in Falten herab wie ein langer Rock. Einige sprachen von kleinen, dünnen Armen mit Krallen. Andere sahen gar keine Arme.
Die Gestalt zischte. Sie ging nicht. Nach Aussage der Zeugen glitt sie durch die Luft auf sie zu.
Der Gardist fiel rückwärts und ließ die Taschenlampe fallen. Alle rannten den Hügel hinunter.
In derselben Nacht und am Morgen danach
Zurück im Ort rief die Mutter den Sheriff des Countys an. Sie rief auch einen Mitinhaber der örtlichen Wochenzeitung an.
Der Sheriff und ein Hilfssheriff waren in dieser Nacht ohnehin unterwegs, weil gemeldet worden war, irgendwo in der Gegend sei ein Kleinflugzeug abgestürzt. Spät in der Nacht stiegen sie mit dem Zeitungsmann und dem Gardisten auf den Hügel.
Hier widersprechen sich die Quellen. Nach einem Bericht fanden sie nichts: Sie sahen, hörten und rochen nichts. Nach einem anderen gab es nichts zu sehen, aber ein scharfer Geruch hing noch in der Luft.
Früh am nächsten Morgen stieg der Zeitungsmann allein hinauf. Er berichtete von 2 langen Spuren im Boden, wie Rutschspuren, und von niedergedrücktem Gras auf einer großen Fläche. Außerdem beschrieb er einen öligen, klebrigen Belag auf dem Boden.
Er sagte, sein Hals schmerze und der Nebel habe ihm in der Nacht Übelkeit verursacht. Mehrere Jungen klagten in den folgenden Tagen über Erbrechen und geschwollene Hälse. Die Mutter sagte, sie habe einen öligen Film auf ihren Gesichtern gesehen. Ein örtlicher Arzt untersuchte einige von ihnen. Den Berichten zufolge fand er keine Ursache, die er hätte benennen können.
Eine Geschichte für das ganze Land
Nach wenigen Tagen war es eine landesweite Nachricht. Ein Nachrichtenredakteur aus der Gegend erinnerte sich später, dass Radionetze darüber berichteten und Hunderte Anrufe aus dem ganzen Land eingingen. Die großen Nachrichtenagenturen zählten die Geschichte später zu den wichtigsten des Jahres.
Die Mutter und der Zeitungsmann wurden nach New York gebracht, um in einer landesweiten Fernsehsendung aufzutreten. Dort zeichnete ein Künstler das Wesen nach ihrer Beschreibung. Diese Zeichnung mit der spitzen Kapuze und den leuchtenden Augen ist das Bild, das heute fast jeder kennt.
Man sollte nicht vergessen, dass der Zeichner auf dem Hügel nichts gesehen hat. Das berühmte Bild ist die Beschreibung einer einzigen Frau, so wie ein Fremder sie sich vorstellte.
Auch 2 private Erforscher seltsamer Phänomene kamen in den Ort und befragten die Zeugen. Beide schrieben über den Fall, und beide behandelten ihn als echten Besuch von etwas Unbekanntem.
Hier endet, was wir wissen
**Dokumentiert sind die Aussagen der Zeugen, die Spuren im Gras und der gemeldete Geruch. Alles darüber hinaus ist Deutung.**
7 Menschen beschrieben etwas auf diesem Hügel. Einig sind sie sich beim roten Gesicht, der Kapuzenform, den leuchtenden Augen und dem Geruch. Uneinig sind sie bei den Armen, der Farbe des Körpers und der Größe.
Niemand machte ein Foto. Kein Gegenstand wurde je geborgen. Soweit bekannt, wurde der klebrige Belag nie in einem Labor untersucht.
Der Feuerball, den auch andere sahen
Ein Teil der Geschichte wurde von außerhalb bestätigt.
Am selben Abend meldeten Menschen in 3 benachbarten Bundesstaaten einen hellen Meteor. Ein Mitarbeiter einer Akademie der Wissenschaften im Nachbarstaat Maryland bestätigte, dass kurz vor der Sichtung in Flatwoods ein Meteor über den Himmel gezogen war.
Dann sind da die Spuren. Jahre später gab ein Mann aus dem Ort zu, dass er nach der Sichtung mit seinem Pick-up um das Feld herumgefahren war, in der Hoffnung, etwas zu sehen. Die Rutschspuren und die öligen Flecken könnten von seinem Wagen stammen. Die ersten Ermittler hatten sie einem gelandeten Flugobjekt zugeschrieben.
Für das Licht am Himmel gibt es also eine wahrscheinliche Erklärung, und für die Spuren am Boden ebenfalls. Was die Taschenlampe unter dem Baum beleuchtete, ist der Teil, der bleibt.
Schlussfolgerungen und offene Fragen
Es gibt 3 Haupterklärungen. Jede beantwortet einen Teil der Geschichte, keine die ganze.
**Es war eine Schleiereule, gesehen in einem Moment der Panik.** Das schlug ein amerikanischer skeptischer Ermittler vor, der den Ort im Jahr 2000 besuchte und mit noch lebenden Zeugen sprach. Eine Schleiereule hat ein rundes, flaches, helles Gesicht, das in rotem Licht rot wirken kann. Wenn sie sich bedroht fühlt, zischt sie. Auf einem Ast sitzend, mit herabhängendem Laub darunter, kann sie wie eine Gestalt im langen Rock aussehen. Ihre Krallen am Ast könnten erklären, warum manche Krallen und andere gar keine Arme sahen. Das pulsierende rote Licht kam nach seiner Ansicht von 3 blinkenden roten Warnleuchten auf Flugsicherungsmasten, die vom Gipfel aus zu sehen waren. Das Problem: Eine Schleiereule ist etwa 35 bis 40 cm groß. Die Zeugen beschrieben etwas, das größer war als ein Mensch. Damit eine Eule so groß wirkt, müsste sie sehr nah sein und plötzlich vom Lichtstrahl erfasst werden, vor verängstigten Menschen im Dunkeln. Der Skeptiker argumentierte, dass genau das geschah. Viele, die dabei waren, haben das nie akzeptiert.
**Es war gemeinsame Angst, genährt von den Nachrichten jenes Jahres.** 1952 war in den USA ein Rekordjahr für Meldungen über fliegende Untertassen. Im Juli wurden sogar über Washington Objekte auf dem Radar gemeldet. Eine Gruppe Kinder und eine Mutter, die halb mit einem abgestürzten Flugzeug oder einem Raumschiff rechneten, stiegen einen dunklen Hügel hinauf. Ein seltsamer Geruch und ein verängstigter Hund konnten alle im selben Augenblick in dieselbe Panik versetzen. Ein skeptischer Autor beschrieb das Erbrechen und die Halsschmerzen später als typische Folgen von Angst und Überanstrengung. Das Problem: Das erklärt, warum die Gruppe erschrak. Es erklärt nicht, was der Lichtstrahl erfasste. Mehrere Zeugen beschrieben schon in der ersten Nacht eine bestimmte Form mit ähnlichen Worten.
**Es war das, was die Zeugen glaubten: etwas Unbekanntes.** Das war die Ansicht der 2 Ermittler, die 1952 kamen, und es ist bis heute die Ansicht vieler Menschen in der Gegend. Sie verweisen auf den Geruch, die Beschwerden und darauf, dass die Zeugen jahrzehntelang bei ihren Aussagen blieben. Das Problem: Es gibt keinen physischen Beweis. Keinen Gegenstand, keine untersuchte Probe, kein Foto. Und die bekanntesten Details, die Krallen und die Körperform, stammen vor allem aus der Zeichnung aus New York und aus Berichten, die geschrieben wurden, als die Geschichte schon berühmt war.
Was offen bleibt:
Was war der Geruch? Ein Meteor hinterlässt keinen Nebel auf einem Hügel.
Warum sind sich die Zeugen bei Armen und Körper so uneinig, beim Gesicht aber so einig?
Und kann das noch jemand überprüfen? Die Zeugen leben nicht mehr. Der Hügel ist noch da.
Heute begrüßt ein Schild im Ort die Besucher in der Heimat des Grünen Monsters, in der nahen Kreisstadt gibt es ein kleines Museum, und jedes Jahr findet ein Treffen statt. Die Gestalt unter dem Baum wurde nie so erklärt, dass alle zufrieden waren. Stattdessen wurde sie ein Teil des Ortes.