Feuer aus dem Fluss: Das ungelöste Rätsel der Naga-Feuerbälle
Der Mond steht voll über dem Mekong, und das Wasser ist schwarz und glatt wie Glas geworden. Es ist die letzte Nacht der buddhistischen Fastenzeit, das Fest Wan Ok Phansa, und entlang eines zweihundertfünfzig Kilometer langen Uferabschnitts in der thailändischen Provinz Nong Khai ist die Menge auf Hunderttausende angewachsen. Familien haben ihr Stück Schlamm schon am Nachmittag besetzt. Am Wassersaum murmeln Mönche. Kinder werden auf Schultern gehoben. Alle blicken auf dasselbe: auf die Oberfläche des Flusses und auf die Dunkelheit unmittelbar darüber.
Dann beginnt es. Eine einzelne rötliche Kugel löst sich lautlos vom Wasser, verharrt einen Augenblick und steigt. Kein Aufspritzen, kein Bogen eines geworfenen Gegenstands, keine Rauchfahne dahinter. Sie steigt senkrecht auf, zwanzig Meter, fünfzig, hundert, und dann ist sie einfach fort, vom Nachthimmel ebenso sauber verschluckt, wie sie erschienen ist. Noch bevor die erste verschwunden ist, steigt hundert Meter flussabwärts eine zweite, dann eine dritte, dann eine ganze Streuung, und die Menge brüllt.
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