Die Hessdalen-Lichter: Das Tal, in dem die Wissenschaft leuchtenden Kugeln nachjagt
Hessdalen ist ein schmales Tal in Mittelnorwegen, etwa 120 Kilometer südlich von Trondheim — kaum fünfzehn Kilometer lang, bewohnt von wenigen hundert Menschen. Es wäre völlig unauffällig, gäbe es da nicht eine Sache: Seit Jahrzehnten erscheinen über seinen Hängen leuchtende Lichtkugeln. Sie schweben, treiben dahin, blitzen auf und schießen manchmal mit verblüffender Geschwindigkeit durch das Tal. Einheimische berichten, dass seltsame Lichter dort schon in den 1930er-Jahren gesehen wurden — lange bevor irgendjemand von UFOs sprach.
Ins öffentliche Bewusstsein explodierte das Phänomen im Dezember 1981, als eine intensive Welle von Sichtungen begann. Auf ihrem Höhepunkt, zwischen 1981 und 1984, meldeten die Bewohner die Lichter bis zu zwanzigmal pro Woche. Bauern, Busfahrer und Polizisten sahen sie; einige wurden fotografiert. Die Erscheinungen reichten von kleinen Blitzen bis zu leuchtenden Gebilden von geschätzt mehreren Metern Durchmesser — weiß, gelb, gelegentlich rot oder blau.
Was Hessdalen wirklich ungewöhnlich macht, ist das, was danach geschah. Statt das Rätsel Enthusiasten zu überlassen, gingen Forscher ins Feld. 1983 wurde unter dem Ingenieur Erling Strand vom Østfold University College das Projekt Hessdalen gegründet, das Kameras, Radar, Spektrumanalysatoren, Magnetometer und Laserausrüstung ins Tal brachte. Seit 1998 überwacht eine automatische Messstation — die sogenannte Blue Box — das Tal rund um die Uhr und fotografiert und registriert alles, was sich bewegt oder leuchtet.
Jahrzehnte instrumenteller Beobachtung haben eines zweifelsfrei bestätigt: Die Lichter sind ein reales physikalisches Phänomen, keine Folklore. Instrumente haben sie auf Bildern festgehalten und in einigen dokumentierten Fällen Radarechos und magnetische Störungen registriert. Doch die Daten warfen ebenso viele Fragen auf, wie sie beantworteten. Die Lichter können viele Minuten bestehen bleiben, ihre Form verändern und sich unberechenbar verhalten — ein Verhalten, das keine bekannte Form von Kugelblitzen und kein Fluggerät vollständig erklärt.
An Hypothesen mangelt es nicht, doch keine ist bewiesen. Eine schlägt ein Plasma aus ionisiertem Staub vor, möglicherweise verbunden mit dem Radonzerfall in der Talluft. Eine andere verweist auf Piezoelektrizität: Quarzreiches Gestein unter Spannung könnte theoretisch elektrische Felder erzeugen, die die Luft zum Leuchten bringen. Eine dritte, vorgebracht von italienischen Forschern, die die Geologie des Tals untersuchten, vermutet, dass Hessdalen wie eine riesige natürliche Batterie funktioniert — eine Talseite reich an Zink und Eisen, die andere an Kupfer, dazwischen schwefelhaltiges Wasser, das elektrische Ströme antreibt. Jede Idee erklärt einen Teil des Bildes; keine erklärt alles.
Die große Welle hat sich seit den 1980er-Jahren gelegt, doch die Lichter sind nicht verschwunden — Jahr für Jahr werden weiterhin Sichtungen registriert, und die Blue Box wacht weiter. Hessdalen bleibt etwas Seltenes: ein echtes wissenschaftliches Rätsel, auf das reale Instrumente gerichtet sind. Was erzeugt die Lichter, was speist sie über Minuten hinweg, und warum ausgerechnet dieses kleine Tal? Nach mehr als vierzig Jahren Messungen kann das noch immer niemand sagen.