Dokumentiert

Die Nazca-Linien: Eine Botschaft in den Wüstenboden geschrieben — aber für wen?

2026-06-22 · Rätselhafte Orte · 9 Min. Lesezeit

Vom Boden aus ist die Pampa von Nazca einer der leersten Orte der Erde - eine rötlich-braune Ebene aus Stein und Geröll, die sich zwischen den Ausläufern der Anden und der peruanischen Küste erstreckt, wo es fast nie regnet und fast nichts wächst. Doch steigt man ein paar hundert Meter in die Luft, verwandelt sich der Wüstenboden in eine Leinwand. Ein Kolibri mit fast hundert Metern Flügelspannweite. Ein Affe mit einem Schwanz, der sich zu einer perfekten Spirale einrollt. Eine Spinne, ein Kondor, ein Pelikan, ein Wal - und schnurgerade Linien, die kilometerweit über das Plateau laufen, als wären sie mit dem Lineal gezogen und dürften nie schwanken. Es gibt mehr als tausend dieser Figuren und Linien, Geoglyphen genannt, die zwischen etwa 500 v. Chr. und 500 n. Chr. in den Boden geritzt wurden, die meisten das Werk der Nasca-Kultur, die hier lange vor den Inka blühte. Und seit einem Jahrhundert kreisen die Forscher um dieselbe hartnäckige Frage.

Wie sie entstanden, ist in Wahrheit kaum ein Rätsel. Die Oberfläche der Pampa ist mit dunklen Steinen übersät, über Jahrtausende von einem dünnen Firnis aus Eisenoxid überzogen; schiebt man sie beiseite, kommt der helle gelbliche Boden darunter als leuchtende Linie zum Vorschein. Mit nichts als Holzpflöcken, Schnüren und sorgfältigem Anvisieren mit dem Auge konnten kleine Gruppen selbst die größten Figuren abstecken, und Archäologen haben die Technik im Gelände nachvollzogen. Weil dies einer der trockensten und windstillsten Orte des Planeten ist, haben die flachen Furchen, manche nur wenige Zentimeter tief, zwei Jahrtausende nahezu unversehrt überdauert. Erstmals wurden die Linien von den umliegenden Ausläufern aus vom peruanischen Archäologen Toribio Mejía Xesspe 1926 bemerkt, doch erst die Ankunft der Verkehrsflugzeuge in den 1930er-Jahren und die hinabblickenden Passagiere enthüllten die ganze Menagerie und machten Nazca zum Rätsel für die Welt.

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