Dokumentiert

Der Diskos von Phaistos: Eine Botschaft, 3.000 Jahre zu früh gedruckt

2026-01-10 · Ungelöste Chiffren · 2 Min. Lesezeit

Am 3. Juli 1908 grub der italienische Archäologe Luigi Pernier in den Ruinen des minoischen Palastes von Phaistos im Süden Kretas, als aus einem unterirdischen Lagerraum eine kleine Scheibe aus gebranntem Ton zum Vorschein kam. Rund sechzehn Zentimeter im Durchmesser — so groß wie ein Dessertteller — war sie auf beiden Seiten mit Zeichen bedeckt, die sich spiralförmig zur Mitte winden. Nie zuvor war etwas Vergleichbares gefunden worden. Und nichts wirklich Vergleichbares wurde seither gefunden.

Die Scheibe trägt 241 Abdrücke von 45 verschiedenen Zeichen: ein Kopf mit Federkrone, ein schreitender Mann, ein Fisch, ein Schild, eine Blume. Entscheidend ist: Die Zeichen wurden nicht von Hand eingeritzt. Jedes wurde vor dem Brennen mit einem eigenen Stempel in den weichen Ton gedrückt. Im Grunde setzte jemand einen Text aus einem Satz wiederverwendbarer Stempel zusammen — weshalb der Diskos oft als frühestes bekanntes Beispiel beweglicher Lettern gilt, rund dreitausend Jahre vor Gutenberg.

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