Umstritten

Die Karte des Piri Reis: Was ein Fragment von 1513 wirklich zeigt — und was nicht

2025-07-26 · Unmögliche Objekte · 2 Min. Lesezeit

Im Herbst 1929 wurde der Topkapi-Palast in Istanbul — jahrhundertelang Sitz der osmanischen Sultane — in ein Museum umgewandelt. Der deutsche Theologe Gustav Adolf Deissmann, eingeladen, die Handschriften der Palastbibliothek zu sichten, stieß auf ein zerrissenes Stück Pergament aus Gazellenhaut, bemalt mit Küstenlinien, Schiffen und Windrosen. Es war das erhaltene Drittel einer Weltkarte, die Piri Reis, ein osmanischer Admiral und einer der besten Kartografen seiner Zeit, im Jahr 1513 gezeichnet hatte.

Schon für sich genommen wäre das Fragment bemerkenswert. In Notizen auf der Karte selbst erklärt Piri Reis seine Methode: Er stellte sie aus rund zwanzig Quellen zusammen — acht Karten, die auf Ptolemäus zurückgehen, einer arabischen Karte Indiens, vier neuen portugiesischen Seekarten und einer Karte aus der Hand des Christoph Kolumbus. Da Kolumbus' eigene Karten verloren sind, ist dieses Fragment das nächste erhaltene Echo dessen, wie der Entdecker Amerikas das Gefundene zeichnete. Eine Notiz fügt hinzu, Einzelheiten stammten von einem spanischen Gefangenen, der behauptete, mit Kolumbus gesegelt zu sein. Keine einzige der zwanzig Quellkarten wurde je gefunden.

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