Umstritten

Das Turiner Grabtuch: Der Stoff, der sein Alter nicht preisgibt

2026-03-12 · Unmögliche Objekte · 2 Min. Lesezeit

In einer Kapelle des Turiner Doms ruht ein etwa 4,4 Meter langes Leinentuch, gezeichnet vom blassen, strohfarbenen Doppelbild eines bärtigen Mannes — von vorn und von hinten — mit Wunden, die zu einer Kreuzigung passen. Jahrhundertelang wurde es still verehrt. Dann, 1898, entwickelte der Amateurfotograf Secondo Pia seine Glasplatten und entdeckte Verblüffendes: Auf dem fotografischen Negativ fügten sich die geisterhaften Flecken zu einem erstaunlich lebensechten Gesicht. Der moderne Streit um das Turiner Grabtuch hatte begonnen.

Die dokumentierte Spur des Tuches beginnt in den 1350er Jahren, als es im französischen Städtchen Lirey auftauchte. Fast sofort war es umstritten: 1389 schrieb der örtliche Bischof an den Papst und nannte es eine gemalte Fälschung. Gläubige verehren es als das Grabtuch Jesu von Nazaret; Skeptiker sehen ein Meisterwerk mittelalterlicher Handwerkskunst. Sechshundert Jahre lang konnte keine Seite ihren Fall beweisen.

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