Der Yeti unterm Mikroskop: Wie die DNA den Fall still zu den Akten legte
Am Morgen des 8. November 1951 stiegen zwei erschöpfte Männer einen Gletscher unterhalb des Menlung La hinab, eines hohen Passes an der Grenze zwischen Nepal und Tibet, als der Schnee vor ihnen aufhörte, leer zu sein. Eric Shipton, einer der erfahrensten Himalaya-Bergsteiger seiner Zeit, und sein Gefährte, der Chirurg Michael Ward, hatten Wochen damit verbracht, die südlichen Zugänge zum Everest abzutasten. Nun, irgendwo zwischen 5000 und 5500 Metern, zog sich eine Reihe von Spuren durch den frischen Schnee vor ihnen und verlor sich über dem Eis. Sie waren groß. Sie waren deutlich. Und in der deutlichsten drückte sich eine breite, gespreizte Zehe so in die Kruste, dass es zwei nüchternen Engländern fern der Heimat beunruhigend nach dem Abdruck eines barfüßigen Riesen aussah. Ihr Sherpa-Begleiter Sen Tensing hatte nicht den geringsten Zweifel, wer sie hinterlassen hatte. Shipton, der kein Lineal bei sich trug, legte seinen Eispickel neben einen Abdruck, stellte Wards Stiefel neben einen anderen und machte vier Aufnahmen, ehe die Sonne das Beweisstück schmelzen konnte.
Diese Fotografien gingen um die Welt. Eine im Besonderen, ein einzelner Abdruck mit einem Eispickel als Maßstab, wurde im Dezember jenes Jahres in der Times veröffentlicht und wurde zum berühmtesten physischen Beweisstück, das der Yeti je hervorgebracht hat. Hier endlich, so schien es, war etwas, das sich messen ließ. Nicht die Erzählung eines Reisenden, nicht die Geschichte eines Mönchs, sondern ein Zeichen im Schnee, auf Film festgehalten von einem Mann, dessen Kompetenz niemand anzweifelte. Für eine Generation von Lesern entschied es nichts und entflammte alles. Wenn ein Geschöpf einen solchen Abdruck hinterlassen konnte, hoch oben auf dem Dach der Welt, wohin fast niemand je gelangte, wer wollte dann mit Gewissheit sagen, dass es nicht existierte?
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