Dokumentiert

Die Kupferrolle: die Schatzliste vom Toten Meer, die nie jemand eingelöst hat

2026-06-23 · Unmögliche Objekte · 6 Min. Lesezeit

Am Morgen des 14. März 1952 arbeitete sich ein Team unter Leitung des französischen Archäologen Henri de Contenson durch eine teilweise eingestürzte Höhle in den Mergelfelsen über dem Toten Meer, nahe den Ruinen von Qumran, auf damals jordanischem Gebiet. Die Archäologen lieferten sich ein stilles Wettrennen mit den Beduinen der Gegend, die seit fünf Jahren Schriftrollen vom Toten Meer fanden - und verkauften - schneller, als ein Gelehrter sie erreichen konnte. Höhle 3, wie sie bald katalogisiert wurde, hatte bis dahin nur zerbrochene Vorratskrüge und eine Handvoll Pergamentfetzen hergegeben. Dann, ganz hinten, an den Fels gelehnt, fing das Licht einer Lampe zwei aufgerollte Bleche aus grünlichem, mineralisiertem Metall ein. Jede andere Rolle aus diesen Höhlen ist mit Tinte auf Pergament oder Papyrus geschrieben, und fast alle enthalten religiöse Literatur - Hymnen, biblische Bücher, die Ordensregel einer Sekte. Dieses Objekt, mit der Bezeichnung 3Q15, war in nahezu reines Kupfer gehämmert. Und als es seinen Text endlich preisgab, fand sich darin keine einzige Zeile Heiliger Schrift. Es war ein Inventar vergrabener Schätze.

Drei Jahre lang konnte niemand ein Wort lesen. Zwei Jahrtausende Oxidation hatten das Metall in etwas wie Eierschale verwandelt; jeder Versuch, die Rolle zu öffnen, hätte den Text in Splitter zerlegt. Die Lösung kam von einem Ingenieur, nicht von einem Archäologen. 1955 schickten die jordanischen Behörden die Rollen an das Manchester College of Science and Technology in England, wo Professor H. Wright Baker sie mit Klebstoff überzog und sie, beginnend am 1. Oktober 1955, mit einem Sägeblatt von Bruchteilen eines Millimeters Stärke in 23 gewölbte Streifen zerschnitt. Anfang 1956 lag der vollständige Text offen: zwölf Kolumnen knappen Verwaltungshebräischs, die rund 64 Verstecke aufzählen, und eine Gesamtsumme von etwa 4.600 Talenten Gold und Silber. Was ein Talent im ersten Jahrhundert wog, ist selbst umstritten, doch bei jeder vernünftigen Umrechnung summieren sich die Angaben auf Dutzende Tonnen Edelmetall - manche Schätzungen reichen bis zu 26 Tonnen Gold und 65 Tonnen Silber. Es ist mehr, als sich irgendein Privatvermögen jener Zeit vorstellen lässt.

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