Die Dorabella-Chiffre: 87 Schnörkel, die ein großer Komponist nie erklärte
Im Sommer 1897 traf im Pfarrhaus des Reverend Alfred Penny in Wolverhampton ein Dankschreiben ein. Der Komponist Edward Elgar und seine Frau Alice hatten dort gerade einige Tage als Gäste verbracht, und der Brief, datiert auf den 14. Juli, war gewöhnliche Höflichkeit. Was mit ihm reiste, war es nicht. Beigelegt war eine kleine Karte an die Tochter des Pfarrers, Dora, noch nicht dreiundzwanzig, bedeckt mit drei flüssigen Zeilen geschwungener, hakenartiger Zeichen: siebenundachtzig davon, in einer einzigen sicheren Hand hingeworfen. Dora drehte die Karte hin und her und suchte einen Einstieg. Sie konnte kein Wort davon lesen. Und in den 129 Jahren seither konnte es auch niemand anderes.
Damals sah nichts daran nach Geschichte aus. Elgar war vierzig, ein Musiklehrer aus der Provinz, der das Werk, das seinen Namen machen sollte, noch nicht geschrieben hatte; bis zu den Enigma-Variationen waren es zwei Jahre, bis zum Ritterschlag acht. Dora Penny, 1874 geboren, war fast siebzehn Jahre jünger als er, die lebhafte und musikalische Tochter eines Landpfarrers. Die beiden mochten einander sofort und blieben für den Rest des Komponistenlebens Freunde.
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