Spuren im Schnee: Die Morde von Hinterkaifeck
In den letzten Tagen des März 1922 fand der bayerische Landwirt Andreas Gruber eine Reihe von Fußspuren im frischen Schnee rund um seinen Hof. Sie kamen aus dem Wald und führten zu seinem Anwesen, zur Tür des Maschinenhauses, deren Schloss aufgebrochen war. Was ihn beunruhigte, war das, was er nicht fand: Spuren, die wieder wegführten, gab es nicht. Wer den Schnee überquert hatte, war zum Hof gegangen und hatte ihn, soweit der Schnee es zeigte, nie verlassen. Gruber erzählte seinen Nachbarn von den Spuren. Weiter tat er nichts. Etwa eine Woche später waren er und fünf weitere Menschen tot.
Hinterkaifeck war kein Dorf, sondern ein einzelner Hof, ein Einödhof, der allein in den Feldern zwischen Ingolstadt und Schrobenhausen nördlich von München stand. Dort lebten sechs Menschen. Andreas Gruber war dreiundsechzig Jahre alt, seine Frau Cäzilia zweiundsiebzig. Ihre verwitwete Tochter Viktoria Gabriel war fünfunddreißig und lebte mit ihren beiden Kindern auf dem Hof, der siebenjährigen Cäzilia und dem zweijährigen Josef. Die sechste Bewohnerin war die Dienstmagd Maria Baumgartner, vierundvierzig Jahre alt, die ihren Dienst erst am Nachmittag des Tattages angetreten hatte. Ihre Vorgängerin, Kreszenz Rieger, hatte den Hof etwa ein halbes Jahr früher verlassen, und später wurde vielfach berichtet, sie habe gekündigt, weil sie im Haus unerklärliche Geräusche gehört und es für unheimlich gehalten habe.
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