Dokumentiert

Das Geisterschiff, das allein weitersegelte: Was geschah an Bord der Mary Celeste?

2026-06-30 · Spurlos verschwunden · 8 Min. Lesezeit

Der Nachmittag des 4. Dezember 1872 war grau und unruhig, etwa auf halbem Weg zwischen den Azoren und der portugiesischen Kuste, als der Rudersmann der kanadischen Brigantine Dei Gratia ein Segel bemerkte, das sich nicht benehmen wollte. Das andere Schiff gierte, fiel vom Wind ab und luvte wieder an, seine Segel standen schlaff und nachlassig gesetzt, wie es keine arbeitende Mannschaft duldete. Kapitan David Morehouse studierte es zwei Stunden lang durch sein Glas, wahrend der Abstand schrumpfte, und etwas an dem Anblick beunruhigte ihn, denn er kannte dieses Schiff. Nur Wochen zuvor hatte er in New York mit seinem Kapitan gespeist. Als der Erste Offizier Oliver Deveau sich endlich uber die Reling zog, trat er in das, was Seeleute mehr furchten als jeden Sturm: ein funktionstuchtiges Schiff, das sich selbst steuerte, ohne eine Hand am Ruder und ohne eine Menschenseele an Bord.

Es war die Mary Celeste, eine amerikanische Brigantine von rund 282 Tonnen, die am 7. November mit 1.701 Fassern Industriealkohol zur Aufspritung italienischen Weins von New York nach Genua ausgelaufen war. Ihr Kapitan war Benjamin Spooner Briggs, ein siebenunddreissigjahriger Seemann aus Massachusetts, fromm, nuchtern und nach allem Zeugnis umsichtig und angesehen. Er fuhr nicht allein. Bei ihm waren seine Frau Sarah, die zweijahrige Tochter Sophia und eine handverlesene Mannschaft von sieben Mann, darunter die friesischen Bruder Volkert und Boz Lorenzen und die deutschen Matrosen Arian Martens und Gottlieb Goudschaal, Manner, die Briggs selbst als friedlich und erstklassig beschrieben hatte. Ihren siebenjahrigen Sohn Arthur hatte man bei Verwandten zu Hause gelassen, damit er die Schule nicht versaumte. Zehn Menschen waren aufgebrochen. Zehn Menschen waren verschwunden.

Möchten Sie die ganze Geschichte lesen?

Registrieren Sie sich und erhalten Sie den ersten Monat völlig gratis — unbegrenzter Zugang zum gesamten Archiv, werbefrei für Abonnenten. Jederzeit kündbar.

Abonnieren — erster Monat gratis

Artikel teilen:

Leserkommentare (0)
Nur aktive Abonnenten mit bestätigter Zahlung können Kommentare schreiben. Abonnieren — erster Monat gratis